Leonardo Chef begrüßt potenziellen Beitritt Deutschlands zu GCAP, warnt jedoch vor Verzögerungen

Der Chef des italienischen Verteidigungskonzerns Leonardo hat die Möglichkeit eines deutschen Beitritts zum italienisch-japanisch-britischen Kampfjetprogramm GCAP grundsätzlich begrüßt. Gleichzeitig äußerte er jedoch die deutliche Warnung, dass die Aufnahme eines neuen Mitglieds das angestrebte Auslieferungsdatum des Kampfflugzeugs der sechsten Generation nach hinten verschieben könnte.
Die Äußerungen des Leonardo Vorstandsvorsitzenden Lorenzo Mariani folgten auf das offizielle Scheitern des konkurrierenden französisch-deutschen Rüstungsprojekts FCAS. Dieses Vorhaben brach nach monatelangen, intensiven Streitigkeiten zwischen der französischen und der deutschen Industrie über die Aufteilung der Arbeitsabscheidungen und Technologieanteile endgültig zusammen. Während dieses europäische Bündnis zerbrach, arbeiten Italien, Japan und das Vereinigte Königreich im Rahmen des GCAP Projekts weiterhin eng zusammen und verfolgen das ambitionierte Ziel, bis zum Jahr zweitausendfünfunddreißig ein neues Flugzeug in die Luft zu bringen.
Auf die konkrete Frage, ob Deutschland nach dem Scheitern von FCAS in das GCAP Programm integriert werden könnte, erklärte der Industrietechnologe, dass ein solcher Schritt im Hinblick auf die technologischen Fähigkeiten und die Aufteilung der enormen Entwicklungskosten durchaus positiv zu bewerten sei. Man müsse sich jedoch parallel der Tatsache bewusst sein, dass der Zieltermin für den Erstflug im Jahr zweitausendfünfunddreißig feststehe. Als wesentliche Vorteile eines neuen Partners nannte er vor allem zusätzliche finanzielle Mittel sowie wertvolles technologisches Wissen.
Die letztliche Bewertung und Entscheidung über eine Erweiterung der Allianz liege zwar primär auf der Ebene der beteiligten Regierungen, doch potenzielle neue Partner würden zweifellos mehr Kompetenzen und finanzielle Unterstützung in das GCAP Projekt einbringen. Der Manager mahnte jedoch an, dass eine solche Veränderung im Konsortium klare Auswirkungen auf den Zeitplan der Entwicklung und das Erreichen strategischer Meilensteine haben könnte. Es gelte daher im Vorfeld, eine ausgewogene Balance zwischen finanzieller Entlastung und zeitlicher Präzision zu finden.
Besonders in Japan wächst Berichten zufolge bereits die Nervosität bezüglich einer möglichen Verschiebung der Frist für das Jahr zweitausendfünfunddreißig. Diese Sorge wird insbesondere durch die anhaltenden Haushaltsdebatten im Vereinigten Königreich befeuert, wo die Regierung um die Aufbringung neuer Verteidigungsgelder ringt. Der deutsche Verteidigungsminister Boris Pistorius skizzierte kurz nach dem Zusammenbruch des seit dem Jahr zweitausendsiebzehn geplanten FCAS Projekts drei strategische Optionen, um den zukünftigen Bedarf der deutschen Luftwaffe an modernen Kampfflugzeugen zu sichern.
Als erste Option nannte der Verteidigungsminister den Zukauf weiterer amerikanischer Tarnkappenjets vom Typ F fünfunddreißig, um die entstehende Fähigkeitslücke kurzfristig zu schließen. Die zweite Möglichkeit bestehe darin, sich einem bereits existierenden internationalen Programm wie GCAP anzuschließen. Als dritte Option brachte er die Initiierung eines völlig neuen Programms unter explizit deutscher Führung ins Gespräch, das gemeinsam mit Airbus und weiteren europäischen Partnern realisiert werden könnte.
Ein solcher dritter Weg würde jedoch die Entwicklung eines weiteren eigenständigen Kampfflugzeugs in Europa bedeuten. Dies stünde im diametralen Gegensatz zu den aktuellen Bemühungen des Kontinents, parallele Rüstungsprogramme zu reduzieren, gemeinsam konzipierte Systeme zu stärken und die begrenzten Verteidigungsbudgets effizienter einzusetzen. Der Chef von Leonardo betonte in diesem Zusammenhang, dass Europa sich die Entwicklung zu vieler verschiedener Kampfflugzeuge der sechsten Generation schlichtweg nicht leisten könne, da dies weder finanzierbar sei noch der globalen Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie helfe.
Unterdessen prüft der Luft- und Raumfahrtkonzern Airbus laut Medienberichten eine potenzielle Kooperation mit dem schwedischen Rüstungsunternehmen Saab bei der Entwicklung eines Kampfflugzeugs der nächsten Generation. Die Regierung in Stockholm hält sich bislang alle Optionen für den Kauf oder die Neuentwicklung eines Nachfolgemodells für ihre alternden Gripen Kampfflugzeuge offen. Bislang wurden in Schweden zu diesem Zweck lediglich explorative Vorstudien durchgeführt, was Raum für neue europäische Allianzen lässt.