Aktienkurs bricht trotz Umsatzplus nach verhaltenem Ausblick nachbörslich ein

Der US-Datenbankkonzern Oracle verschärft sein Tempo im globalen KI-Infrastrukturrennen drastisch. Wie das Unternehmen am Mittwoch bekannt gab, sollen im kommenden Geschäftsjahr rund 70 Milliarden Dollar in den Ausbau von Rechenzentren fließen. Die Ankündigung massiver neuer Schulden bei gleichzeitig stagnierenden Umsatzprognosen verschreckte jedoch die Anleger und ließ die Aktie im nachbörslichen Handel um bis zu 8 Prozent einbrechen.
Die geplanten Investitionen (Capital Expenditure) bedeuten eine Steigerung um 25 Prozent im Vergleich zu den 55,7 Milliarden Dollar des am 31. Mai abgelaufenen Geschäftsjahres. Um diesen enormen Kapitalbedarf zu decken, plant Oracle, in den nächsten 12 Monaten frisches Kapital in Höhe von 40 Milliarden Dollar über Fremd- und Eigenkapitalaufnahmen zu beschaffen.
Für Verunsicherung an den Märkten sorgte der Umstand, dass Oracle seine Umsatzprognose für das Gesamtjahr trotz der Ausgabenoffensive unverändert bei den im März angekündigten rund 90 Milliarden Dollar belief. Vor der Bekanntgabe der Zahlen lag der Aktienkurs bereits knapp 40 Prozent unter seinem Höchststand aus dem vergangenen Herbst.
Großprojekt für OpenAI treibt die Kosten
Clay Magouyrk, Co-CEO von Oracle, betonte die operativen Fortschritte: Das Unternehmen habe im Jahr 2026 bereits eine Kapazität von 1,2 Gigawatt bereitgestellt und mache erhebliche Fortschritte bei mehreren Großprojekten – insbesondere für den ChatGPT-Entwickler OpenAI.
Oracle hatte Ende vergangenen Jahres einen wegweisenden Vertrag im Wert von 300 Milliarden Dollar mit OpenAI unterzeichnet. Die Vereinbarung sieht vor, dass Oracle die enormen Vorabkosten für den Bau der notwendigen Rechenzentren übernimmt. Allein im vierten Geschäftsquartal kletterten die Investitionen dadurch auf 16,5 Milliarden Dollar.
Um die Liquidität zu sichern, hatte das Unternehmen aus Austin (Texas) bereits im Februar Kredite in Höhe von 25 Bedarfen Milliarden Dollar aufgenommen. Das Management betonte dabei stets, sein Investment-Grade-Kreditrating verteidigen zu wollen.
Starke Quartalszahlen von Tech-Boom überschattet
Der Kurssturz überschattete ein operativ solides Quartal. Im vierten Quartal übertraf Oracle mit einem Umsatz von 19,2 Milliarden Dollar die Erwartungen der Analysten. Auch der Jahresumsatz lag mit 67,4 Milliarden Dollar über den Prognosen. Der Auftragsbestand für zukünftige Umsätze (Remaining Performance Obligations) belief sich auf beachtliche 638 Milliarden Dollar.
„Die KI-Infrastruktur lässt den bestehenden Markt für Cloud-Infrastruktur klein erscheinen“, erklärte Magouyrk. „Alles, was wir sehen, deutet darauf hin, dass dieses Marktvolumen in die Billionen Dollar pro Jahr geht.“
Risiken, Widerstände und Stellenabbau
Der aggressive Expansionskurs birgt jedoch Risiken. Investoren hinterfragen zunehmend, ob Oracle ausreichende Garantien für die Rückzahlung der Milliardenschulden besitzt, da das Geschäftsmodell stark von den langfristigen Mietzusagen einer kleinen Handvoll Großkunden abhängt. Zudem stieß der Bau neuer Anlagen regional auf Widerstand, wie etwa in Saline Township (Michigan), was zu Projektverzögerungen führte.
Um die Schuldenlast zu mindern, setzt Oracle verstärkt darauf, dass Kunden die in den Zentren installierten Mikrochips selbst finanzieren oder im Voraus bezahlen. Solche Verträge summieren sich laut Konzernangaben inzwischen auf 75 Milliarden Dollar.
Gleichzeitig greift Oracle zu drastischen Sparmaßnahmen im Personalbereich. Im vergangenen Quartal wurden mehr als 30.000 Stellen gestrichen, um Kosten zu senken und finanzielle Mittel für KI-Investitionen freizusetzen. Das Unternehmen erklärte gegenüber Investoren, dass moderne Coding-Tools es ermöglichten, die Produktivität trotz einer geringeren Anzahl an Softwareentwicklern zu steigern.
Abseits des KI-Geschäfts verbuchte Oracle zudem einen politischen Erfolg: Am Mittwoch erhielt der Konzern einen Auftrag der US-Regierung im Wert von fast 400 Millionen Dollar zur Bereitstellung einer HR-Plattform für verschiedene Bundesbehörden.