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Trumps Berater befürchten bleibende wirtschaftliche Schäden durch den Iran-Krieg

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Massiver Vertrauensverlust in der Bevölkerung: Rekord-Inflation, steigende Lebenshaltungskosten und die Blockade der Straße von Hormus bringen das Weiße Haus vor den Kongresswahlen in Bedrängnis

Photo by Jack Harner on Unsplash

US-Präsident Donald Trump droht die politische Deutungshoheit über die wirtschaftliche Alltagswirklichkeit der amerikanischen Bürger zu verlieren – ein Themenfeld, das er im Wahlkampf noch uneingeschränkt dominiert hatte. Laut einer in dieser Woche veröffentlichten Reuters/Ipsos-Umfrage blickt die Regierung auf historische Tiefstwerte: Weniger als ein Viertel der US-Amerikaner (unter 25 Prozent) heißen die Art und Weise gut, wie der Präsident die rasant steigenden Lebenshaltungskosten verwaltet.

Angetrieben durch den geopolitischen Konflikt mit dem Iran ist die Inflationsrate in den Vereinigten Staaten auf den höchsten Stand seit drei Jahren geklettert und hat die Marke von 4 Prozent überschritten. Obwohl die Benzinpreise im vergangenen Monat leicht nachgegeben haben, rechnen Ökonomen nicht mit einer zeitnahen Rückkehr zum Vorkriegsniveau. Während Lebensmittel- und Stromrechnungen kontinuierlich steigen, wächst an der Wall Street die Erwartung, dass die US-Notenbank Federal Reserve die Leitzinsen noch vor Jahresende anheben muss. Gleichzeitig verschieben Regierungsbeamte den Zeithorizont für ein potenzielles Friedensabkommen, das die globalen Lieferketten in der blockierten Straße von Hormus entlasten könnte, immer weiter nach hinten.

Für einen Präsidenten, der mit dem Versprechen an die Macht zurückgekehrt ist, die finanzielle Belastung der Haushalte zu senken und neuen wirtschaftlichen Optimismus zu stiften, sind die Aussichten düster. Da die wichtigen Zwischenwahlen (Midterms) im Herbst näher rücken und die Sommerreisewelle der Amerikaner direkt von den hohen Treibstoffkosten beeinträchtigt wird, läuft der Administration die Zeit für eine spürbare Kehrtwende davon.

„Ob wir den Gipfel der Inflation nun erreicht haben oder nicht, spielt eigentlich keine Rolle mehr“, äußerte sich ein ehemaliger Beamter der Trump-Regierung, der unter dem Schutz der Anonymität sprach, um die politische Zwangslage des Präsidenten zu analysieren. „Die Würfel sind gefallen, was die Wahrnehmung der Wirtschaft durch die Menschen angeht.“

Die Argumentation des Weißen Hauses und die Realität am Energiemarkt

Das Weiße Haus versucht unterdessen, die Erwartungshaltung der Öffentlichkeit zu steuern. Regierungssprecher Kush Desai erklärte in einer offiziellen Stellungnahme: „Präsident Trump hat wiederholt betont, dass die Öl- und Benzinpreise – und damit die Gesamtinflation – rapide sinken werden, sobald die nuklearen Ambitionen des Irans beseitigt sind und der freie Energiefluss durch die Straße von Hormus wiederhergestellt ist.“

Die Administration verweist auf punktuelle innenpolitische Erfolge, wie Maßnahmen zur Senkung von Medikamentenpreisen und steuerliche Entlastungen. Bei den Treibstoffpreisen verfügt das Weiße Haus jedoch über kaum noch wirksame Hebel. Trump hat die strategischen Ölreserven der USA bereits in erheblichem Maße freigegeben, und Finanzminister Scott Bessent gewehrte punktuelle Sanktionserleichterungen für den Verkauf von iranischem und russischem Öl, um den Weltmarkt zu stabilisieren.

Ein geplantes Aussetzen der Bundesbenzinsteuer (Gas Tax Holiday) ließ sich politisch nicht durchsetzen, und die anhaltenden Militärschläge gegen iranische Ziele führten bislang nicht zu einer Wiedereröffnung der strategisch kritischen Seestraße. Auf wiederholte Fragen von Reportern zu den hohen Energiepreisen entgegnete Trump mehrfach, er habe damit gerechnet, dass die Situation noch weitaus schlimmer hätte ausfallen können.

Vertraute und Verbündete drängen das Weiße Haus, die Kommunikation umzustellen. Sie empfehlen, den Fokus darauf zu legen, die Wähler davon zu überzeugen, dass Trumps protektionistische und geopolitische Strategie langfristig den Verbrauchern zugutekommen werde, sobald der Krieg beendet sei. Trump selbst betonte, er sei bereit, kurzfristige wirtschaftliche Kosten und Marktturbulenzen in Kauf zu nehmen, um seine strategischen Ziele im Nahen Osten zu erreichen. In den Umfragen spiegelt sich dieser Optimismus jedoch nicht wider.

Wachsende Skepsis in den eigenen Reihen

Auch innerhalb der republikanischen Partei wächst die Sorge vor den Reaktionen der Wählerschaft. „Die Inflation ist das tückischste Problem“, stellte der republikanische Senator Dave McCormick aus Pennsylvania auf einem Energie-Gipfel am Mittwoch fest. Er versuche den Wählern zu vermitteln, dass sich der Arbeitsmarkt in die richtige Richtung bewege und die Ziele im Nahen Osten von nationaler Bedeutung seien. „Aber ich weiß, dass die Menschen es spüren. Sie spüren es beim Wohnraum, bei den Energiepreisen und bei der Gesundheitsversorgung. Wer das nicht fühlt, hat kein Gespür für die Realität in den arbeitenden Gemeinden unseres Landes.“

Die Reaktion des Präsidenten auf den jüngsten Inflationsbericht des Arbeitsministeriums dürfte die Zweifel kaum zerstreut haben. Nur wenige Stunden nachdem bekannt wurde, dass die Teuerungsrate erstmals seit Anfang 2023 über die 4-Prozent-Marke gestiegen war, sagte Trump vor Journalisten: „Ich liebe es, die Zahlen waren großartig.“ Er fügte hinzu, dass die Ölpreise nicht so stark gestiegen seien, wie er es beim Befehl zu den ersten Luftangriffen Ende Februar befürchtet hatte.

„Ich liebe diese Inflation“, so der Präsident weiter. „Wissen Sie warum? Weil sie, sobald dieser Krieg vorbei ist, wie ein Stein nach unten fallen wird.“

Jarrod Agen, Exekutivdirektor des nationalen Rats für Energiedominanz im Weißen Haus (National Energy Dominance Council), betonte auf dem Gipfel, dass der Präsident angesichts der Preisentwicklung „nicht in Panik“ gerate. Peter Navarro, einer der langjährigsten Berater des Präsidenten und leitender Berater für Handelspolitik, veröffentlichte zudem einen Gastbeitrag, in dem er argumentierte, der jüngste Anstieg der Verbraucherpreise sehe weitaus harmloser aus, wenn man die volatilen Energiekosten herausrechne. Der zugrundeliegende Inflationstrend bleibe somit kontrollierbar.

Dennoch bleibt die Teuerung eine massive politische Flanke. Stephen Moore, ein ehemaliger Ökonom der Heritage Foundation und langjähriger informeller Berater Trumps, konstatierte: „Die Inflation ist mit Sicherheit eine Verwundbarkeit für die Republikaner im Herbst. Sie müssen die Menschen davon überzeugen, dass sie einen konkreten Plan haben, um die Preise zu senken. Der Plan lautet, die Straße von Hormus zu öffnen und das Öl so schnell wie möglich wieder global fließen zu lassen. Ob die Menschen glauben, dass das passiert, ist eine andere Frage.“

Strukturelle Preistreiber und die Reaktion der Finanzmärkte

Die Daten des Arbeitsministeriums zeigen eindeutig, dass die Energiekosten den Großteil des aktuellen Inflationsschubs ausmachen. Ökonomen verweisen jedoch auf weitere, strukturelle Faktoren. Dazu gehören die enormen Investitionen in Höhe von Billionen Dollar für Rechenzentren und großangelegte Infrastrukturprojekte zur Unterstützung künstlicher Intelligenz (KI) sowie die drohende Einführung neuer Importzölle.

Die kriegsbedingte Inflation hat bereits begonnen, die Reallöhne der amerikanischen Arbeiter spürbar zu schmälern. Oren Cass, Gründer der trump-nahen Denkfabrik American Compass, erklärte, dass dieser Verlust an Kaufkraft ein „sehr großes Problem“ für die Republikaner im Vorfeld der Kongresswahlen darstellt.

Gleichzeitig spiegeln die Finanzmärkte die langfristigen Sorgen wider. Die Renditen zehnjähriger Staatsanleihen sind auf über 4,5 Prozent gestiegen – ein klares Signal dafür, dass sich die langfristigen Inflationserwartungen verfestigen. Dies dürfte mittelfristig die Zinsen für Hypotheken und andere Verbraucherkredite in die Höhe treiben. Am Terminmarkt wird die Wahrscheinlichkeit, dass die Federal Reserve die Zinsen bis zum Jahresende anhebt, laut dem FedWatch-Tool der CME Group mittlerweile auf 67 Prozent geschätzt.

Dies entspricht dem genauen Gegenteil dessen, was Trump erwartet hatte, als er Anfang des Jahres Kevin Warsh als Nachfolger des scheidenden Notenbankchefs Jerome Powell nominierte, in der Hoffnung auf eine lockerere Geldpolitik.

Die langfristigen Risiken einer anhaltenden Blockade

Obwohl die Benzinpreise im Vergleich zum Vormonat im Landesdurchschnitt laut AAA-Daten um rund 37 Cent pro Gallone gesunken sind, bleibt das Risiko bestehen, dass die gestiegenen Logistik- und Energiekosten, die derzeit noch von den Unternehmen aufgefangen werden, zeitverzögert auf andere Güter und Dienstleistungen durchschlagen.

Nach Analysen des Energieberatungsunternehmens Rystad Energy fehlen dem Weltmarkt durch den Konflikt bereits jetzt mehr als eine Milliarde Barrel Rohöl. Ein Ausfall dieser Größenordnung lässt sich nicht kurzfristig kompensieren, was die Preise dauerhaft auf einem erhöhten Niveau halten dürfte. Zudem schwinden die weltweiten Lagerkapazitäten rapide und könnten in einigen Regionen bald ein kritisches Minimum erreichen.

Jede weitere militärische Eskalation im Nahen Osten, insbesondere im Falle erneuter Angriffe auf die regionale Energieinfrastruktur, birgt das Risiko neuer Preissprünge. Der Abschuss eines Apache-Hubschraubers der US-Armee in dieser Woche führte bereits zu amerikanischen Vergeltungsschlägen. Vizepräsident JD Vance dämpfte in einem Interview mit dem Sender CBS die Erwartungen an eine schnelle Lösung und erklärte, dass ein Friedensabkommen „eine Woche oder Monate“ dauern könne.

Aditya Saraswat, Chefanalyst bei Rystad Energy, fasste die Lage drastisch zusammen: „Der Iran-Krieg hat sich zur schwersten Störung des Ölangebots in der modernen Geschichte der Energieversorgung entwickelt. Jeder zusätzliche Monat des Konflikts fügt den kumulierten Verlusten rund 350 Millionen Barrel hinzu – ein erheblicher Teil davon wird nie wieder auf den Markt zurückkehren.“

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