
Wer über die ILA Berlin 2026 läuft, kommt an einem Thema kaum vorbei: der Frage, wie der Luftkampf der nächsten Jahrzehnte überhaupt noch aussehen soll. Genau an dieser Stelle setzt die MQ-28 „Ghost Bat“ an – und sorgt im Defence-Bereich für deutlich mehr Gesprächsstoff als viele klassische Kampfflugzeuge.
Boeing Australia und Rheinmetall haben die unbemannte Plattform erstmals in Europa gezeigt und damit bewusst ein Signal gesetzt. Unter dem Industriebündnis „Team Ghost Bat Germany“, an dem auch Diehl Defence und Rohde & Schwarz beteiligt sind, wird das System klar in Richtung einer möglichen deutschen Nutzung gedacht – nicht als Demonstrator, sondern als Baustein für künftige Einsatzstrukturen der Bundeswehr.
Der eigentliche Bruch mit bisherigen Drohnenkonzepten liegt dabei im Einsatzverständnis. Die Ghost Bat ist nicht als eigenständige Waffe konzipiert, sondern als „Mitspieler“ im Luftkampf. Sie fliegt künftig im Verbund mit bemannten Jets wie Eurofighter oder F-35A – und übernimmt dort die Aufgaben, die im modernen Gefechtsraum zunehmend zu riskant oder zu komplex für den Piloten im Cockpit werden: Aufklärung, Vorfeldbeobachtung, elektronische Unterstützung und das Vorstoßen in stark verteidigte Lufträume.
Auch technisch ist die Plattform inzwischen deutlich näher an einem einsatzreifen System als an einem Testmuster. Mit einer Spannweite von rund 11,7 Metern, einem verlängerten Rumpf und einem Startgewicht von etwa 5,4 Tonnen ist die MQ-28 spürbar gewachsen. Die Konsequenz ist klar: mehr Reichweite, mehr Sensorik, mehr Flexibilität bei der Nutzlast. Über 3.700 Kilometer Einsatzradius und fast Mach 0,9 Geschwindigkeit machen sie zu einem Begleiter, der nicht nur „mitfliegt“, sondern über längere Zeiträume eigenständig im Operationsgebiet bleiben kann.
Besonders interessant ist dabei die Art, wie das System gedacht ist. In bisherigen Tests mit der Royal Australian Air Force und gemeinsamen Erprobungen in den USA wurde die Drohne nicht nur als Sensorträger genutzt, sondern bereits in Szenarien integriert, in denen sie Zielinformationen verarbeitet und im Verbund mit anderen Systemen reagiert. Der Trend geht klar weg von starren Befehlsketten hin zu vernetzten Entscheidungsräumen im Gefecht.
Für Deutschland wäre Rheinmetall im Fall einer Beschaffung als zentraler Integrator vorgesehen, während Rohde & Schwarz die sichere Kommunikation im Einsatzverbund absichern soll. Genau diese Ebene – stabile, störresistente Datenverbindungen zwischen Jets, Drohnen und Bodenstrukturen – gilt derzeit als eine der entscheidenden Voraussetzungen für zukünftige Luftoperationen der NATO.
Am Ende zeigt die ILA-Präsentation weniger ein einzelnes neues Waffensystem als vielmehr eine Verschiebung im Denken: Luftüberlegenheit entsteht künftig nicht mehr durch das leistungsstärkste einzelne Flugzeug, sondern durch ein Netzwerk aus bemannten und unbemannten Plattformen, die ihre Rollen dynamisch auf dem Gefechtsfeld verteilen.