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Europas Wetter verändert sich schneller als erwartet: Extreme Schwankungen werden zum Alltag

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Die aktuellen Copernicus Daten deuten auf eine neue Phase des europäischen Klimas hin. Neben steigenden Temperaturen treten außergewöhnlich schnelle Wetterwechsel immer häufiger auf. Der Mai 2026 liefert dafür ein prägnantes Beispiel.

Es ist inzwischen nicht mehr allein die Hitze selbst, die Klimaforscher beschäftigt, sondern die Geschwindigkeit, mit der sie kommt und wieder verschwindet. Noch im Frühjahr war in Teilen Westeuropas von einer eher kühlen Witterung die Rede, dann folgte innerhalb weniger Wochen eine der frühesten und intensivsten Hitzewellen, die in dieser Jahreszeit in Westeuropa je gemessen wurden. Genau dieser abrupte Wechsel gilt Klimatologen inzwischen als das eigentlich neue Muster.

Der zweitwärmste Mai seit Beginn der Aufzeichnungen

Der europäische Klimadienst Copernicus, betrieben vom Europäischen Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage ECMWF, bezifferte die weltweite Durchschnittstemperatur im Mai 2026 auf 15,8 Grad Celsius, 1,42 Grad über dem vorindustriellen Niveau. Damit war der Monat weltweit der zweitwärmste Mai seit Beginn der Aufzeichnungen, nur der Rekordmonat Mai 2024 lag noch darüber. Die ECMWF Klimatologin Samantha Burgess erklärte, die außergewöhnliche globale Erwärmung habe sich im Mai mit Temperaturen in Atmosphäre und Ozean fortgesetzt, die nahezu Rekordwerte erreicht hätten.

Oberflächenlufttemperatur Anomalie für Mai 2026 im Vergleich zum Mai-Durchschnitt des Zeitraums 1991–2020. © ERA5 / Copernicus Climate Change Service (C3S) / ECMWF

Besonders betroffen von der frühen Hitzewelle waren nach Angaben von Copernicus Frankreich, Großbritannien, Irland und Portugal, wo teils neue Temperaturrekorde für den Monat Mai aufgestellt wurden. Spanien meldete für den Mai 101 hitzebedingte Todesfälle, einen Rekordwert für diesen Monat. Gleichzeitig stieg in Frankreich und Großbritannien die Zahl der Ertrinkungsfälle, weil zahlreiche Menschen bei der Hitze spontan an Seen und Flüsse auswichen, häufig ohne die dortigen Bedingungen zu kennen. In vielen Regionen erreichte die gefühlte Temperatur, die neben dem reinen Thermometerwert auch Luftfeuchtigkeit, Wind und Sonneneinstrahlung berücksichtigt, Werte zwischen 35 und 40 Grad, spürbar mehr als die tatsächliche Lufttemperatur.

Copernicus ordnet dieses Ereignis klar in einen langfristigen Trend ein. Der Bericht beschreibt ein Muster aus mehr Hitze, früher auftretenden Hitzewellen und insgesamt instabileren Übergängen zwischen den Jahreszeiten. Ein Faktor dafür ist geografisch kaum zu vermeiden, Europa erwärmt sich schneller als der globale Durchschnitt, was Klimaforscher unter anderem mit der Nähe zur Arktis erklären. Gehen dort Schnee und Eisflächen zurück, legen sie dunklere Flächen frei, die mehr Sonnenenergie aufnehmen und die Erwärmung dadurch zusätzlich verstärken.

Eine sich beschleunigende Erwärmung

Ein weiterer, parallel veröffentlichter Bericht in der Fachzeitschrift Earth System Science Data zeigt, dass das Klimasystem insgesamt weiterhin Energie speichert, und zwar mit steigender Geschwindigkeit. Die globale Erwärmung liegt demnach inzwischen bei rund 0,27 Grad pro Jahrzehnt. Die Verschiebung verläuft damit nicht linear, sondern nimmt an Tempo zu.

Auffällig ist dabei ein zweiter Effekt, der oft erst im Rückblick sichtbar wird, Extreme treten inzwischen gleichzeitig in beide Richtungen auf. Während weite Teile West, Mittel und Osteuropas, einschließlich Italien und Spanien, im Mai unter überdurchschnittlicher Trockenheit litten, kam es im selben Zeitraum in der Türkei, Bulgarien und Moldau zu schweren Überschwemmungen. Der gleiche physikalische Mechanismus, wärmere Luft speichert mehr Feuchtigkeit, kann demnach Dürre verschärfen und gleichzeitig Starkregen intensivieren.

Dieses Muster zeigt sich auch global. Westchina, Brasilien und Teile Australiens waren im Mai vergleichsweise nass, während der zentrale Raum der Vereinigten Staaten, Zentralasien und große Teile Südamerikas deutlich trockener ausfielen als üblich. Die Gleichzeitigkeit solcher Gegensätze wird nach Einschätzung von Klimaforschern zunehmend zu einem Charakteristikum des Klimasystems.

Ein möglicher Super El Niño verschärft die Lage zusätzlich

Im Pazifik kommt eine weitere Variable hinzu. Die Oberflächentemperaturen im tropischen Ozean liegen weiterhin über dem Durchschnitt, während sich ein Übergang zu ausgeprägten El Niño Bedingungen abzeichnet. Dieses Muster wirkt wie ein Verstärker, es erhöht im globalen Mittel die Temperaturen und verschiebt Niederschlagszonen. Hilfsorganisationen warnen inzwischen sogar vor einem möglichen Super El Niño mit gravierenden Folgen für Ernten und Lebensmittelpreise weltweit.

Bei der zehntägigen UN Klimakonferenz in Bonn, die vom 8. bis zum 18. Juni 2026 als zentrales Vorbereitungstreffen für den Weltklimagipfel COP31 im türkischen Antalya stattfand, warnte UN Klimasekretär Simon Stiell vor dieser Gemengelage. Der andauernde Krieg im Nahen Osten verursache nicht nur immenses menschliches Leid, sondern löse zugleich eine Kostenkrise bei fossilen Brennstoffen aus, die Volkswirtschaften weltweit unter Druck setze. Eine fortgesetzte Abhängigkeit von Öl, Gas und Kohle bedeute, weiterhin Inflation und wirtschaftliche Instabilität zu importieren, mahnte Stiell zum Auftakt der Konferenz, an der mehr als 6500 Teilnehmer aus 186 Staaten mitwirkten.

Am Ende bleibt ein Eindruck, der sich in den Daten nur indirekt zeigt, in der Praxis aber deutlich spürbar wird. Das eigentliche Problem ist weniger der einzelne Rekordwert als vielmehr die Häufung der Extreme und ihre zeitliche Nähe zueinander. Das Wetter stabilisiert sich immer seltener, bevor das nächste Extremereignis bereits beginnt.

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