Niedriger Streubesitz von nur rund 4 Prozent nährt Sorge vor künstlicher Nachfrage, Nasdaq 100 Aufnahme steht kurz bevor, S&P 500 bleibt wegen fehlender Profitabilität vorerst verschlossen.

Die SpaceX Aktie erreicht einen weiteren Meilenstein an den internationalen Finanzmärkten. Seit dem 29. Juni wird das Unternehmen von Elon Musk in den MSCI World sowie in den MSCI All Country World Index aufgenommen. Damit werden Millionen von ETF Sparern weltweit indirekt zu Aktionären des Raumfahrt und Technologieunternehmens, auch wenn sie die Aktie selbst nie bewusst gekauft haben.
Automatische Käufe durch Indexfonds sorgen für Diskussionen
Die Aufnahme in den MSCI World hat besondere Bedeutung, weil der Index zu den wichtigsten Referenzwerten für globale ETF Produkte zählt. Zahlreiche Fonds, die den Index automatisch nachbilden, müssen ihre Portfolios anpassen und SpaceX Aktien kaufen. Dadurch entsteht zusätzliche Nachfrage, die den Kurs der Aktie beeinflussen kann.
Gerade diese automatische Nachfrage sorgt bei einigen Marktbeobachtern für Diskussionen. SpaceX verfügt derzeit nur über einen sehr geringen frei handelbaren Aktienanteil. Der sogenannte Streubesitz liegt nach aktuellen Einschätzungen bei lediglich rund 4 Prozent. Der größte Teil der Unternehmensanteile befindet sich weiterhin in Händen von Gründern, Investoren und frühen Anteilseignern.
Ein niedriger Streubesitz kann Kursbewegungen verstärken. Bereits kleine Kauf oder Verkaufsaufträge können größere Auswirkungen auf den Aktienpreis haben, weil nur wenige frei verfügbare Aktien am Markt gehandelt werden. Die Aufnahme in große Indizes könnte den Kurs zusätzlich stützen und gleichzeitig eine Überbewertung begünstigen.
Anfängliches Indexgewicht bleibt trotz hoher Bewertung gering
Trotz der enormen Bewertung von SpaceX wird die Aktie zunächst kein Schwergewicht im MSCI World sein. Die Indexanbieter gewichten Unternehmen nicht nach ihrer gesamten Marktkapitalisierung, sondern nach der frei handelbaren Marktkapitalisierung. Christian Röhl, Chefökonom von Scalable Capital, schätzt den anfänglichen Anteil von SpaceX im MSCI World auf lediglich etwa 0,1 Prozent.
Die Sorge, dass ETF Anleger plötzlich eine riesige SpaceX Position in ihren Depots tragen müssten, sei damit übertrieben. Selbst ein deutlicher Kursverlust hätte zunächst kaum Auswirkungen auf den Gesamtindex. Würde die SpaceX Aktie beispielsweise um 10 Prozent fallen, würde dies bei einem Indexgewicht von 0,1 Prozent den MSCI World rechnerisch nur um etwa 0,01 Prozent belasten.
Der Schritt in den MSCI World ist nicht die einzige Indexaufnahme für SpaceX. Auch der Nasdaq 100 soll das Unternehmen voraussichtlich kurzfristig aufnehmen. Möglich wurde dies durch Änderungen der Nasdaq Regeln, die den sogenannten Fast Entry Prozess beschleunigen. Die Wartezeit für neue große Börsenunternehmen wurde dadurch deutlich verkürzt.
Kritiker sehen darin eine Sonderbehandlung für den spektakulären Börsengang. Einige Marktteilnehmer sprechen von einer Art Lex SpaceX, weil Indexregeln angepasst worden seien, um das Unternehmen schneller in wichtige Benchmarks aufzunehmen. Besonders umstritten ist dabei die Behandlung von Unternehmen mit niedrigem Streubesitz.
S&P 500 bleibt wegen fehlender Profitabilität verschlossen
Eine andere Haltung zeigt dagegen der Indexanbieter S&P Dow Jones Indices. SpaceX erfüllt derzeit nicht die strengen Voraussetzungen für eine Aufnahme in den S&P 500. Dazu gehören unter anderem ein ausreichender Streubesitz, eine bestimmte Börsenhistorie sowie nachhaltige Profitabilität.
Gerade beim letzten Punkt gibt es Schwierigkeiten. SpaceX verzeichnete zuletzt hohe Investitionen und schrieb im 1. Quartal 2026 nach Angaben von Marktbeobachtern einen Milliardenverlust. Deshalb bleibt der Konzern zunächst außerhalb des wichtigsten US Aktienindex.
Für Elon Musk ist diese Situation nicht völlig neu. Auch Tesla musste lange auf eine Aufnahme in den S&P 500 warten. Erst nach mehreren Jahren erfüllte der Elektroautobauer die notwendigen Kriterien.
Aktie zählt beim Handel zu den meistgehandelten Werten
Die starke Aufmerksamkeit rund um SpaceX zeigt sich bereits seit dem Börsenstart. Beim deutschen Broker Flatex gehörte die Aktie in den ersten Handelstagen zu den meistgehandelten Wertpapieren überhaupt. Mit rund 32000 Transaktionen lag SpaceX deutlich vor bekannten Technologiewerten wie Nvidia oder Tesla.
Gleichzeitig zeigt die Kursentwicklung die hohe Volatilität der Aktie. Nach dem Börsenstart am 12. Juni stieg der Kurs zeitweise um rund 67 Prozent, bevor er anschließend deutlich korrigierte. Die Kombination aus hoher Bewertung, begrenztem Aktienangebot und großer Anlegerbegeisterung sorgt für starke Schwankungen.
Zusätzlichen Druck könnten mögliche Verkäufe durch Insider auslösen. Während viele Unternehmen nach einem Börsengang eine Verkaufsbeschränkung für Großaktionäre verhängen, gelten bei SpaceX besondere Regelungen. Experten gehen davon aus, dass bis Anfang September ein großer Anteil der bisher gehaltenen Aktien verkauft werden könnte.
Sollte dadurch der Streubesitz steigen, hätte das wiederum Folgen für die Indexgewichtung. Mehr frei handelbare Aktien könnten dazu führen, dass SpaceX langfristig einen größeren Anteil in internationalen Indizes einnimmt.
Ein Beispiel für die zunehmende Konzentration der Indizes
Die Diskussion um SpaceX fällt zudem in eine Zeit, in der die Konzentration großer US Technologiekonzerne in globalen Aktienindizes ohnehin stark zugenommen hat. Im MSCI World machen US Unternehmen inzwischen den überwiegenden Teil des Index aus. Die sogenannten Magnificent Seven, darunter Apple, Microsoft, Nvidia, Amazon, Alphabet, Meta und Tesla, besitzen bereits einen erheblichen Anteil am Gesamtgewicht.
Für ETF Anleger bedeutet der Fall SpaceX vor allem eines. Auch passive Investmentstrategien sind nicht vollständig unabhängig von einzelnen Unternehmen. Wer einen Indexfonds kauft, übernimmt automatisch auch die Entscheidungen der Indexanbieter, einschließlich der Frage, welche Unternehmen aufgenommen werden und nach welchen Regeln sie gewichtet werden.
Der SpaceX Einstieg in den MSCI World ist damit weniger wegen seines unmittelbaren Einflusses auf die Rendite entscheidend. Er zeigt vielmehr beispielhaft, wie stark moderne Finanzmärkte von Indexmechanismen, Börsenregeln und großen Technologieunternehmen geprägt werden.