Zwischen Guadalajara und Zaragoza kämpfen tausende Einsatzkräfte gegen die Flammen, während in Almería bereits zwölf Menschen ums Leben kamen. Ein Vergleich der aktuellen Copernicus Fire Danger Forecasts offenbart eine Entwicklung, die in der bisherigen Berichterstattung kaum Beachtung fand
Rund um die spanische Hauptstadt Madrid hat sich die Waldbrandlage am Wochenende weiter zugespitzt. Nordöstlich der Stadt, im Grenzgebiet zwischen der Region Madrid und Castilla La Mancha, hat ein Feuer bei La Mierla in der Provinz Guadalajara nach amtlichen Angaben vom 19. Juli bereits rund 13000 Hektar Land verbrannt. Am frühen Nachmittag mussten mit Prádena de Atienza, Robledo, Aldeanueva und Naharros vier weitere Ortschaften evakuiert werden, insgesamt wurden inzwischen rund 800 Menschen aus 21 Orten und Siedlungen in Sicherheit gebracht.
Die Feuerwehr konzentriert sich derzeit auf die Flammenfronten bei Gascueña und Bustares, wo sich das Feuer über eine Breite von 30 Kilometern ausbreitet. Mehr als 500 Einsatzkräfte, unterstützt von der militärischen Notfalleinheit UME und 25 Löschflugzeugen, versuchen zu verhindern, dass die Flammen auf die nahegelegene Provinzhauptstadt Guadalajara übergreifen.
Zwei weitere Großbrände und der tödlichste Waldbrand des Jahres
Ein zweites Feuer bei Lozoyuela in der Region Madrid, das rund 800 Hektar vernichtet hatte, gilt inzwischen als unter Kontrolle, die dortige Straße M126 bleibt jedoch weiterhin gesperrt. Entwarnung gab es zudem beim bislang größten Waldbrand Spaniens in diesem Jahr, der am 9. Juli bei Orés im aragonesischen Landkreis Cinco Villas ausgebrochen war. Nach Angaben des aragonesischen Regionalpräsidenten Jorge Azcón wurden dort rund 14400 Hektar Wald und Feld zerstört, mehr als 1100 Menschen mussten zeitweise ihre Häuser verlassen.

Die schwerste Katastrophe der spanischen Waldbrandsaison 2026 ereignete sich bereits am 9. Juli nahe Los Gallardos in der südspanischen Provinz Almería. Das durch extreme Temperaturen und starke Winde angefachte Feuer tötete mindestens 12 Menschen, verletzte 8 weitere und ließ zunächst 23 Personen vermisst zurück. Damit handelt es sich um den tödlichsten Waldbrand in der Geschichte Andalusiens und den dritttödlichsten in der spanischen Geschichte insgesamt.
Unter den Opfern befanden sich auch ausländische Staatsangehörige, darunter mindestens vier britische Bürger. Mehr als 1400 Anwohner mussten ihre Häuser verlassen. Zeugen berichteten von einer heruntergefallenen Stromleitung als möglicher Ursache, der Energieversorger Endesa bestritt jedoch eine entsprechende Verantwortung.
Berichte aus den Nachbarländern: Ein gesamteuropäisches Phänomen
Die Waldbrandkrise beschränkt sich längst nicht auf Spanien. In Frankreich verbrannten landesweit bereits mehr als 35400 Hektar, das Vierfache des jüngsten Durchschnittswerts. Ein 22 Jahre alter Feuerwehrmann kam bei der Bekämpfung eines Brandes in den Alpen ums Leben, während gleichzeitig ein Feuer im Wald von Fontainebleau nur rund 65 Kilometer südöstlich von Paris wütete.

In den Pyrenäen nahe der spanischen Grenze wurden mindestens 16 Menschen verletzt und rund 10000 Bewohner kleinerer Ortschaften evakuiert, die dritte Etappe der Tour de France musste ohne Zuschauer ausgetragen werden. Zeitweise galt in fünf französischen Regionen die höchste Warnstufe Rot, 40 weitere Départements waren einem hohen Waldbrandrisiko ausgesetzt.

In Italien sorgt bereits die dritte Hitzewelle des Sommers für eine gefährliche Zuspitzung, im Piemont wuchs ein Feuer im Ossola Tal nahe der Schweizer Grenze binnen neun Tagen auf mehr als 600 Hektar und führte zur Evakuierung von rund 150 Menschen aus der Gemeinde Colloro.
Nach Angaben des Europäischen Waldbrandinformationssystems EFFIS waren bis Mitte Juli europaweit bereits rund 155569 Hektar Land abgebrannt. Das liegt zwar unterhalb der 228098 Hektar, die zum selben Zeitpunkt im Vorjahr registriert wurden, allerdings war 2025 zugleich das Jahr mit den schlimmsten Flächenbränden in der bisherigen europäischen Geschichte.
Bereits Anfang Juli waren mit rund 118000 bis 119000 Hektar deutlich mehr Flächen verbrannt als im langjährigen Durchschnitt von 90000 bis 100000 Hektar zum gleichen Zeitpunkt. Hintergrund der Entwicklung ist eine außergewöhnliche Hitzewelle, der bislang heißeste in Westeuropa gemessene Juni lag um 3,06 Grad über dem Durchschnitt der vergangenen Jahrzehnte, fast 100 Millionen Menschen waren Temperaturen von 40 Grad und mehr ausgesetzt.
Die Europäische Union reagierte mit einem der bislang größten grenzüberschreitenden Noteinsätze in Hochrisikogebiete. Rund 777 Feuerwehrleute aus 14 europäischen Ländern wurden vorsorglich in besonders gefährdeten Regionen wie Griechenland, Italien, Frankreich, Spanien und Portugal positioniert, unterstützt von 22 Löschflugzeugen und 5 Hubschraubern aus der EU eigenen rescEU Reserve.
Was die Copernicus Karten zeigen und weshalb sie noch kaum beachtet wurden
Ein Vergleich der beiden vom Copernicus Katastrophenschutzdienst veröffentlichten Prognosekarten zur Waldbrandgefahr, die auf der Feuerwetterindex Anomalie des Europäischen Zentrums für mittelfristige Wettervorhersage beruhen, offenbart eine Entwicklung, die in der bisherigen Berichterstattung bislang kaum aufgegriffen wurde.


In der Karte für den Zeitraum vom 1. bis zum 8. Juli erstreckte sich die Zone extremer und sehr extremer Gefahrenwerte noch als breites Band über weite Teile Mitteleuropas, von Frankreich über Deutschland und Polen bis in die baltischen Staaten und den Westen Russlands hinein. Die iberische Halbinsel zeigte zu diesem Zeitpunkt zwar bereits hohe bis sehr hohe Werte, blieb im direkten Vergleich mit dem mitteleuropäischen Korridor aber noch etwas weniger stark ausgeprägt.
In der Folgekarte für den Zeitraum vom 8. bis zum 15. Juli hat sich dieses Bild binnen einer Woche grundlegend verändert. Die extreme und sehr extreme Gefahrenzone ist über weite Strecken aus Mitteleuropa verschwunden, Norddeutschland, Polen und die baltischen Staaten erscheinen nun überwiegend in Grün, also im Bereich niedriger Gefahr. Gleichzeitig hat sich die dunkelste Gefahrenstufe massiv nach Westen verlagert und verdichtet sich nun über den britischen Inseln, ganz Frankreich sowie weiten Teilen Spaniens und Portugals.
Besonders bemerkenswert ist dabei, dass Irland und weite Teile Großbritanniens, Regionen, die in der öffentlichen Wahrnehmung bislang kaum mit akuter Waldbrandgefahr in Verbindung gebracht werden, in der zweiten Karte durchgehend als sehr extrem eingestuft sind, obwohl aus diesen Ländern bislang keine vergleichbar großen aktiven Brände wie aus Spanien, Frankreich oder Portugal gemeldet wurden.
Diese Verschiebung deutet auf eine westwärts wandernde Hochdrucklage hin, die das außergewöhnlich trockene und heiße Wetter der vergangenen Wochen von Mitteleuropa in Richtung Atlantik und Ärmelkanal verlagert hat. Da es sich bei den Copernicus Karten um Prognosen der Gefahrenlage und nicht um Karten tatsächlich verbrannter Flächen handelt, ließ sich daraus bereits ableiten, dass die eigentliche Belastung für die britischen Inseln zum Zeitpunkt der Veröffentlichung erst noch bevorstand.
Bestätigung der Prognose: Die reale Waldbrandlage in Großbritannien
Tatsächlich zeigen Angaben britischer Behörden, dass die in den Copernicus Karten erkennbare Gefahr bereits Wirklichkeit geworden ist, während die internationale Berichterstattung weiterhin fast ausschließlich auf Spanien, Frankreich, Portugal und Griechenland fokussiert blieb.
In Nordwales rief der dortige Feuerwehr und Rettungsdienst wegen mehrerer großer Brände einen Großschadensfall aus. Am Conwy Mountain nahe dem Sychnant Pass brannte es großflächig, in Capelulo mussten 36 Wohnhäuser vorübergehend geräumt werden, Schulen blieben geschlossen. Parallel dazu kämpften Einsatzkräfte seit dem 12. Juli gegen ein Feuer im Rhinogydd Gebirge bei Harlech, das ein als Schutzgebiet ausgewiesenes, schwer zugängliches Bergareal betrifft.
Wegen der hohen Zahl gleichzeitiger Einsätze im gesamten UK stand für diesen Brand zunächst kein Löschhubschrauber zur Verfügung. An der Grenze zwischen Derbyshire und Greater Manchester brannte auf dem Tintwistle Moor bereits seit fast drei Wochen eine Fläche in der Größenordnung von 350 Fußballfeldern, ein weiterer Großschadensfall wurde dort ausgerufen.


Auch im Süden Englands, am Devil’s Dyke im South Downs National Park, bei Eastbourne sowie im Osten Londons in Walthamstow, rückten Feuerwehren zu offenen Vegetationsbränden aus. Die Feuerwehren von Staffordshire und West Midlands aktivierten wegen der Menge an Notrufen ihren gemeinsamen Ausnahmezustandsplan Operation Willowbeck.
Die Entwicklung in Großbritannien bestätigt damit im Nachhinein, was sich in der Verschiebung der Copernicus Gefahrenkarten bereits Mitte Juli andeutete, eine Region, die in der öffentlichen Wahrnehmung kaum mit Waldbrandrisiko in Verbindung gebracht wird, war zeitweise ähnlich stark betroffen wie die bereits ausführlich beachteten südeuropäischen Kernregionen.
Für Spanien selbst bleibt die Lage angesichts der für bis zu drei Wochen angekündigten Rekordhitze angespannt, während sich Frankreich, Portugal, Griechenland, Italien und nun auch das Vereinigte Königreich gleichzeitig auf eine mögliche weitere Zuspitzung der bereits laufenden Einsätze einstellen müssen.