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EU plant massive Aufrüstung und gemeinsame Militärprojekte zur Abkehr von der US Abhängigkeit

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Während Washington seine militärischen Prioritäten neu ausrichtet, versucht die EU, eigene Kapazitäten bei Aufklärung, Luftbetankung und strategischer Unterstützung aufzubauen.
Andrius Kubilius bei einem Besuch des Rüstungsunternehmens Patria auf der Eurosatory 2026. © European Union / Geoffroy Van der Hasselt

In Brüssel läuft ein Wettlauf gegen die Zeit. EU-Verteidigungskommissar Andrius Kubilius arbeitet seit Monaten an einem Plan, mit dem Europa seine militärische Abhängigkeit von den USA verringern soll. Ausgangspunkt ist eine konkrete Liste aus Washington.

Washington zieht sich nicht zurück, aber Europa muss vorsorgen

Das US-Verteidigungsministerium hat im sogenannten NATO Force Model, dem verbindlichen Planungsrahmen für die Bündnisverteidigung seit 2022, deutliche Kürzungen vorgesehen. Von 79 Tankflugzeugen sollen künftig nur noch 63 bereitstehen, bei den Kampfjets sinkt die Zahl von 153 auf 99. Alle Langstrecken-Aufklärungsdrohnen fallen komplett weg, die Kampfdrohnen vom Typ MQ-9 werden fast halbiert. Auch eine der beiden Flugzeugträgerkampfgruppen soll sich künftig anders ausrichten, ebenso knapp die Hälfte der Kreuzer und Zerstörer. Hintergrund ist ein Strategiepapier des Pentagon vom Januar, wonach sich die US-Streitkräfte künftig stärker auf die Verteidigung des eigenen Staatsgebiets und den Indopazifik konzentrieren.

Kubilius hatte schon im Februar vor dem Europaparlament in Straßburg klar Position bezogen. Europa müsse bereit sein, amerikanische strategische Schlüsselfähigkeiten durch eigene zu ersetzen, sagte er sinngemäß, Weltraumaufklärung und Luftbetankung gehörten zu den wichtigsten davon. Unabhängigkeit bedeute dabei ausdrücklich keinen Alleingang außerhalb der NATO, sondern mehr europäisches Gewicht innerhalb des Bündnisses.

Ganz klar ist die Lage trotzdem nicht. Kubilius fordert von Washington seit Monaten mehr Klarheit, wie schnell und in welchem Umfang die USA ihre Präsenz tatsächlich reduzieren. Ohne genaues Wissen darüber, was die Amerikaner abziehen und wann, lässt sich kaum planen, welche Lücken Europa zuerst füllen muss.

Ein konkretes Beispiel zeigt das Ausmaß der Aufgabe. Die Bundeswehr besitzt aktuell acht Seeaufklärer vom Typ P-8A Poseidon, die USA wollen im gleichen Modell elf eigene Maschinen dieses Typs streichen. Selbst mit den acht MQ-9B-Aufklärungsdrohnen, die Deutschland im Januar bestellt hat und die ab 2028 einsatzbereit sein sollen, bleibt die Lücke groß.

Zwischen Milliardenplänen und fehlenden Fähigkeiten

Finanziell steht dahinter das größere Programm Readiness 2030, früher ReArm Europe genannt. Die EU-Kommission hatte es im März 2025 vorgestellt, mit dem Ziel, bis zu 800 Milliarden Euro für die europäische Verteidigung zu mobilisieren. Strategische Schlüsselfähigkeiten, darunter Lufttransport, Luftbetankung, maritime Aufklärung und Grenzsicherung, gehören darin zu den sieben benannten Fähigkeitslücken. Ergänzt wird das Programm durch das Kreditinstrument SAFE, mit dem Mitgliedstaaten gemeinsame Beschaffung günstiger finanzieren können. Woher am Ende das Geld für die eigentliche Umsetzung kommt, ist trotzdem offen, eine belastbare Gesamtsumme allein für den Ersatz der amerikanischen Fähigkeiten hat die Kommission bislang nicht veröffentlicht.

Ökonomen des Kiel Instituts für Weltwirtschaft empfehlen den europäischen Staaten grundsätzlich, höhere Verteidigungsausgaben vor allem über Kredite zu finanzieren, nicht über Kürzungen bei Sozialem, Gesundheit oder Bildung. Historisch sei das der übliche Weg gewesen, ergänzt durch spätere Steuererhöhungen, so eine Studie des Instituts.

Politisch bleibt der Plan heikel. Nationale Hauptstädte wachen traditionell eifersüchtig über die Kontrolle bei Rüstungsbeschaffung, und aus Washington dürfte Widerstand kommen, sollte die US-Rüstungsindustrie durch mehr europäische Eigenproduktion Aufträge verlieren. Kubilius selbst hatte schon im Januar in einem eigenen Grundsatzpapier für einen Europäischen Sicherheitsrat geworben. Die Zersplitterung in 27 nationale Streitkräfte mache Europa ohne institutionelle Reform kollektiv kaum verteidigungsfähig, warnte er darin. Wie schnell sich aus alldem tatsächlich neue Fähigkeiten formen lassen, wird sich erst in den kommenden Jahren zeigen, wenn aus Ankündigungen und Grundsatzpapieren konkrete Verträge und Lieferungen werden müssen.

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