Die USA haben Angriffe im Iran durchgeführt, nachdem ein Hubschrauber der US-Armee nahe der Straße von Hormus abgestürzt war – ein Vorfall, für den US-Präsident Donald Trump die Islamische Republik verantwortlich machte. Die Schläge belasten den zweimonatigen Waffenstillstand weiter.

Das US-Militär erklärte am Dienstag, dass es als Reaktion auf den Absturz eines Apache-Hubschraubers der Armee nahe der Straße von Hormus Angriffe auf den Iran geflogen habe. US-Präsident Donald Trump hatte zuvor die Islamische Republik für den Absturz verantwortlich gemacht.
Das US-Zentralkommando (CENTCOM) teilte in den sozialen Medien mit, die Angriffe seien „eine proportionale Antwort auf die ungerechtfertigte iranische Aggression“. Iranische Staatsmedien berichteten, dass Explosionen auf der Insel Qeschm in der Straße von Hormus zu hören waren. Die strategisch wichtige Schifffahrtsstraße wurde vom Iran während des Krieges faktisch geschlossen. Später hieß es von iranischer Seite, die US-Angriffswelle im Süden sei „abgeflaut“.
Trump hatte zuvor auf seiner Social-Media-Plattform erklärt, der Iran habe das Luftfahrzeug während eines Patrouillenflugs über der Meerenge abgeschossen. Die Vereinigten Staaten müssten „notgedrungen auf diesen Angriff reagieren“. Der iranische Außenminister Seyed Abbas Araghchi entgegnete, dass sich ausländische Streitkräfte nahe dem Territorium des Landes „in ständiger Gefahr“ befänden. Nach den US-Schlägen fügte Teheran hinzu, man werde „keinen Angriff und keine Drohung unbeantwortet lassen“.
Der Vorfall und die darauffolgenden Vergeltungsschläge belasten den fragilen, zweimonatigen Waffenstillstand massiv. Erst am Vortag hatten sich der Iran und Israel zum ersten Mal seit Inkrafttreten der Waffenruhe wieder gegenseitig unter Beschuss genommen. Das iranische Staatsfernsehen gab am Dienstag bekannt, dass bei den israelischen Angriffen mindestens zwei Mitglieder der eigenen Luftabwehr getötet wurden.
Seit dem Beginn der gemeinsamen US-amerikanischen und israelischen Angriffe auf den Iran am 28. Februar hat der Krieg die Weltwirtschaft erschüttert, die Energiepreise weltweit in die Höhe getrieben und Güter des täglichen Bedarfs, einschließlich Lebensmittel, verteuert. Es ist den Vermittlern bislang nicht gelungen, den im April vereinbarten Waffenstillstand in ein dauerhaftes Abkommen zu überführen – insbesondere da Israel seine Militärkampagne im Libanon gegen die vom Iran unterstützte Hisbollah-Miliz weiter intensiviert und ausweitet.
US-Hubschrauber kollidierte laut Regierungsvertreter mit iranischer Drohne
Bei dem abgestürzten Luftfahrzeug handelte es sich um einen Kampfhubschrauber vom Typ AH-64 Apache. Ein US-Regierungsvertreter, der unter der Bedingung der Anonymität sprach, erklärte, der Hubschrauber sei nach einer Kollision mit einer iranischen Drohne abgestürzt. Ob der Zusammenstoß absichtlich herbeigeführt wurde, blieb zunächst unklar; offizielle Stellen verwiesen auf laufende Untersuchungen.
In einer Premiere für das US-Militär wurden die beiden Piloten etwa zwei Stunden nach dem Absturz vor der Küste des Oman von einem autonomen Drohnenboot gerettet. Trump bestätigte, dass beide Besatzungsmitglieder „sicher und unverletzt“ seien. Laut CENTCOM-Sprecher Captain Tim Hawkins handelte es sich bei dem Rettungsboot um ein rund sieben Meter langes Wasserfahrzeug namens Corsair, hergestellt von Saronic Technologies. Die Drohne gehört zur Task Force 59 der US-Marine, einer 2021 gegründeten KI- und Robotikeinheit zur Überwachung der maritimen Sicherheit im Nahen Osten.
Die Apache-Hubschrauber spielen eine zentrale Rolle bei der Durchsetzung der US-Blockade gegen iranische Rohölexporte, mit der Washington den wirtschaftlichen Druck auf Teheran maximieren will.
Als Reaktion auf die Anschuldigungen Trumps schrieb Irans Außenminister Araghchi auf X, die Straße von Hormus liege „Tausende von Meilen von den US-Küsten entfernt“. Ausländische Truppen seien aufgrund von „menschlichem Versagen, einfachen Unfällen oder der Gefahr, ins Kreuzfeuer zu geraten“, einem permanenten Risiko ausgesetzt. „Die beste Lösung zur Risikominderung ist ihr Abzug.“
Trump hatte zuvor auf baldigen Iran-Deal beharrt
Der abrupte Übergang zu militärischen Schlägen konterkarierte Trumps jüngsten Optimismus bezüglich der diplomatischen Gespräche. Noch am späten Montagabend hatte der US-Präsident erklärt, es gebe „eine gute Chance“, in „zwei oder drei Tagen“ ein Abkommen zu unterzeichnen.
Die Verhandlungen, die maßgeblich von Pakistan vermittelt werden, stecken jedoch aufgrund kompromissloser Positionen beider Seiten fest. Die USA fordern, dass der Iran seine Bestände an hochangereichertem Uran aufgibt, die nach den schweren US-Luftangriffen während des zwölftägigen Krieges im Jahr 2025 unter Trümmern begraben sein sollen. Der Iran lehnt dies ab und fordert eine sofortige Aufhebung der Sanktionen sowie die Freigabe eingefrorener Gelder als Vorbedingung – was von Trump strikt zurückgewiesen wird.
Der iranische Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf hatte Trumps Rhetorik bereits am Montag scharf kritisiert und erklärt, die Aussagen des US-Präsidenten stünden im Widerspruch zu bereits vereinbarten Punkten. Dies zeige, dass die USA „weder einen Waffenstillstand noch einen Dialog suchen“.
Gleichzeitig bleibt der Konflikt zwischen Israel und der Hisbollah im Libanon eine Priorität für den Iran. Während der libanesische Armeechef General Rodolphe Haykal am Dienstag zu Gesprächen mit Pakistans Armeechef Feldmarschall Asim Munir reiste, dankte die Hisbollah dem Iran für die Angriffe auf Israel zur „Verteidigung des libanesischen Volkes“.
Israel erlässt Evakuierungswarnung für Tyros im Libanon
Unterdessen hat das israelische Militär eine dringende Evakuierungswarnung für die südlibanesische Hafenstadt Tyros herausgegeben, die nun auch das christliche Viertel umfasst, welches bislang von Luftangriffen weitgehend verschont geblieben war.
Israel begründete den Schritt mit dem Verdacht, dass sich Kämpfer der Hisbollah unter die schiitischen Binnenflüchtlinge gemischt hätten, die in den letzten zwei Wochen in die christlichen Nachbarschaften geflohen waren. Obwohl die libanesische Armee in dem Viertel Position bezogen hatte, um eine bewaffnete Präsenz der Hisbollah zu verhindern und israelische Angriffe abzuwenden, kündigte der arabischsprachige Sprecher des israelischen Militärs, Avichay Adraee, auf X an, dass man „in Kürze gegen die terroristischen Aktivitäten in diesem Viertel vorgehen“ müsse.