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US und Iran liefern sich neue Angriffe: Fragile Waffenruhe am Golf droht zu zerbrechen

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Eskalation zwischen den USA und Iran um die Straße von Hormus, Washington spricht von iranischen Angriffen auf Handelsschiffe, Teheran greift US Stützpunkte in Bahrain und Kuwait an.

In der Nacht von Samstag auf Sonntag haben die USA und der Iran erneut Schläge ausgetauscht. Die Spannungen im Nahen Osten sind dadurch weiter gestiegen und setzen das erst vor zwei Wochen geschlossene Abkommen zur Wiedereröffnung der Straße von Hormus unter Druck.

Die Straße von Hormus wird erneut zum Krisenherd

Das US Central Command(Centcom) erklärte, es habe am späten Samstagabend zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit Ziele im Iran angegriffen. Grund sei ein iranischer Angriff auf Schiffe in der Meerenge gewesen. Die neuen Angriffe gefährden eine Vereinbarung, die Washington und Teheran am 17. Juni getroffen hatten. Darin hatte sich der Iran bereit erklärt, die Straße von Hormus wieder schrittweise für den normalen Schiffsverkehr zu öffnen.

Das Abkommen verlängerte die seit dem 8. April geltende Waffenruhe um 60 Tage. Ziel war es, die weltweite Energiekrise abzumildern und Zeit für weitere Verhandlungen über das iranische Atomprogramm zu schaffen. Beide Seiten beschuldigen sich gegenseitig, die Vereinbarung gebrochen zu haben.

Die Lage hatte sich in den letzten Tagen zugespitzt, nachdem der Iran auf ein Schiff gefeuert und Schiffe davor gewarnt hatte, nicht genehmigte Routen durch die Meerenge zu nutzen. Ein Diplomat berichtete, der Iran sei frustriert, dass Oman eine zusätzliche Fahrspur für Schiffe geöffnet habe. Dadurch verliere Teheran an Kontrolle über die wichtige Passage. Vermittler seien weiterhin mit beiden Seiten im Gespräch, um eine weitere Eskalation zu verhindern.

Centcom begründete die eigenen Angriffe als direkte Antwort auf iranische Angriffe gegen die kommerzielle Schifffahrt. Getroffen wurden demnach iranische Überwachungseinrichtungen, Kommunikationssysteme, Luftabwehrstellungen, Drohnenlager und Anlagen zur Verlegung von Seeminen.

US Präsident Donald Trump schrieb auf Truth Social, “United States aircraft just struck Iranian missile and drone storage locations, and coastal radar sites, for violating the Cease Fire Agreement, AGAIN! (US-Flugzeuge haben soeben iranische Raketen- und Drohnenlager sowie Küstenradarstationen angegriffen, weil sie das Waffenstillstandsabkommen ERNEUT verletzt haben!)”.

Donald Trump verkündet auf Truth Social US-Luftangriffe auf iranische Ziele. © Donald J. Trump / Truth Social

Für Trump hat die Wiedereröffnung der Straße von Hormus – durch die etwa ein Fünftel des weltweiten Öl- und Gastransports läuft – große Bedeutung vor den Zwischenwahlen im November.

Die iranische Revolutionsgarde reagierte nur wenige Stunden später. Sie gab an, mit Raketen und Drohnen acht US-Militäreinrichtungen in Kuwait sowie Einrichtungen der US Navy Fifth Fleet in Bahrain angegriffen zu haben. Kuwait bestätigte, dass seine Luftabwehr auf die Angriffe reagiert habe. Bahrain verurteilte die Angriffe als “gefährliche Eskalation” und als Verletzung der eigenen Souveränität.

Im Rahmen des Abkommens hatte Trump zugesagt, die Seeblockade iranischer Häfen aufzuheben und einen Teil der eingefrorenen iranischen Gelder freizugeben. Auf Truth Social schrieb er am Samstag: “It is very possible that they will never learn! There may come a point when we are no longer able to be reasonable, and will be forced to militarily complete the job that we very successfully started. If that happens, the Islamic Republic of Iran will no longer exist! (Es ist gut möglich, dass sie es nie lernen werden! Es könnte ein Punkt kommen, an dem wir nicht mehr vernünftig sein können und gezwungen sein werden, die Arbeit, die wir sehr erfolgreich begonnen haben, militärisch zu beenden. Wenn das passiert, wird die Islamische Republik Iran nicht mehr existieren!)”

Die Revolutionsgarde warnte, weitere Verstöße gegen die Waffenruhe würden die Gespräche zum Erliegen bringen. Künftige Aggressionen würden mit “überwältigender Gewalt” beantwortet, und Schiffe, die gegen die Regeln verstießen, müssten mit noch härteren Maßnahmen rechnen.

Die US Angriffe hatten bereits am Freitag begonnen. Auslöser war ein iranischer Drohnenangriff auf das unter singapurischer Flagge fahrende Containerschiff “Ever Lovely”. Der Iran hatte zuvor erklärt, nur seine eigene festgelegte Route durch die Meerenge sei sicher. Andere Routen würden als gefährlich eingestuft und als Verstoß gegen die Vereinbarung gewertet.

Das Islamabad Memorandum gerät ins Wanken

Centcom warf dem Iran vor, man habe Teheran die Chance gegeben, die Waffenruhe einzuhalten. Stattdessen habe der Iran am frühen Samstagmorgen auch den panamaischen Tanker “Kiku” angegriffen, der mit mehr als zwei Millionen Barrel Rohöl in der Nähe der Straße von Hormus unterwegs war. Die britische Maritime Trade Operations berichtete, das Schiff habe Schäden an der Brücke durch ein nicht identifiziertes Geschoss erlitten.

Die erneuten Kämpfe kamen kurz nachdem israelische und libanesische Vertreter am Freitag in Washington nach vier Tagen Verhandlungen ein Rahmenabkommen mit den USA unterzeichnet hatten. Es soll den Krieg im Libanon beenden und die Hisbollah entwaffnen. Iranische Stellen bringen den Konflikt zwischen Israel und der Hisbollah mit dem eigenen Abkommen mit den USA in Verbindung.

Das Rahmenabkommen sieht einen schrittweisen Rückzug der israelischen Truppen aus einer zehn Kilometer tiefen Sicherheitszone im Süden Libanons vor. Zunächst sollen zwei Pilotgebiete geräumt werden, in denen dann die libanesische Armee stationiert wird. Israels Premierminister Benjamin Netanyahu sagte am späten Samstag, seine Streitkräfte würden in der Sicherheitszone “so lange bleiben, wie es für unsere Sicherheit erforderlich ist”. Sie hätten das Recht, auf jede wahrgenommene Bedrohung mit Gewalt zu reagieren.

Trump und Vizepräsident JD Vance hatten Netanyahu bereits zuvor kritisiert, weil Israel weiter Angriffe im Libanon durchführe, während Washington mit dem Iran verhandle.

Die israelischen Streitkräfte setzten ihre Operationen auch am Wochenende fort. Am Sonntag gaben sie bekannt, Hisbollah Kämpfer mit Raketenwerfern und einen Abschussort im Gebiet Nabatieh im Süden Libanons angegriffen zu haben. Zudem seien am Samstag bewaffnete Terroristen in einer weiteren Sicherheitszone im Süden Syriens getroffen worden.

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