
Die Finanzmärkte haben am Montag deutlich positiv auf die Einigung zwischen den USA und dem Iran reagiert, die eine schrittweise Wiederöffnung der strategisch wichtigen Straße von Hormus vorsieht. Die Aussicht auf ein Ende der monatelangen Energiekrise führte zu einer breit angelegten Rally an den Aktienmärkten und einem spürbaren Rückgang der Ölpreise.
In den USA legten die wichtigsten Indizes zum Handelsauftakt kräftig zu: Der S&P 500 stieg um 1,3 Prozent, der technologielastige Nasdaq Composite gewann 2,2 Prozent. Auch in Europa setzte sich die Erholung fort. Der Stoxx Europe 600 erreichte in den frühen Handelsstunden mit 641,66 Punkten ein neues Rekordniveau, bevor er die Gewinne teilweise abgab und am Ende des Tages noch 0,7 Prozent im Plus lag. Der Pariser Cac 40 kletterte um 1,2 Prozent, der deutsche Dax um 1,4 Prozent.
Auslöser der Marktbewegung ist die Erwartung, dass das Abkommen den seit Ende Februar eskalierten Energiepreisschock abmildern könnte. Brent-Rohöl fiel am Montag um 4,8 Prozent auf 83,15 US-Dollar je Barrel und erreichte zwischenzeitlich mit 82,52 Dollar den niedrigsten Stand seit mehr als drei Monaten. Bereits am Freitag hatte sich der Abwärtstrend abgezeichnet.
„Aus Marktperspektive ist das Abkommen eindeutig positiv“, sagte Mohit Kumar, Chefvolkswirt für Europa bei Jefferies. Die Entspannung spiegele sich nicht nur in den Aktienmärkten wider, sondern auch in der zunehmenden Risikobereitschaft der Investoren.
Parallel dazu zeigte sich die Reaktion an den asiatischen Märkten besonders deutlich. In Japan sprang der Nikkei 225 um 5 Prozent auf ein Rekordhoch, während der südkoreanische Kospi um 5,2 Prozent zulegte. Beide Märkte gelten als besonders energieimportabhängig und waren von den Preissteigerungen der vergangenen Monate überdurchschnittlich belastet worden.
Auch die Rentenmärkte signalisierten eine veränderte Erwartungshaltung. US-Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit rentierten bei 4,45 Prozent, ein Rückgang um 0,04 Prozentpunkte. In Großbritannien fielen die Renditen zeitweise auf 4,77 Prozent, den niedrigsten Stand seit Mitte April, und lagen zuletzt bei 4,8 Prozent. Deutsche Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit gaben ebenfalls nach und rentierten bei 2,95 Prozent. Da Renditen sich umgekehrt zu den Kursen entwickeln, deutet dies auf steigende Nachfrage nach sicheren Anlagen hin.
Gleichzeitig verschieben Investoren ihre Zinserwartungen. An den Terminmärkten wird nun ein Zinsschritt der US-Notenbank um 0,25 Prozentpunkte erst bis März 2027 vollständig eingepreist; noch am Freitag war ein solcher Schritt deutlich früher erwartet worden. Auch in Großbritannien wurden die Erwartungen für den nächsten Zinsschritt nach hinten verschoben.
Innerhalb der europäischen Aktienmärkte zeigten sich zyklische Konsumwerte und Industrieunternehmen mit Kursgewinnen von jeweils rund 2 Prozent als stärkste Sektoren. Der Energiesektor hingegen verlor rund 3 Prozent und spiegelte damit die sinkenden Ölpreisannahmen wider. Der Euro legte gegenüber dem US-Dollar um 0,4 Prozent zu und notierte wieder oberhalb von 1,16 Dollar.
„Das Abkommen reduziert das Risiko eines deutlich disruptiveren Szenarios für die Weltwirtschaft und die Finanzmärkte“, sagte Lee Hardman, Währungsstratege bei MUFG.
Auch in Asien setzte sich die Rally fort. Technologie- und KI-nahe Werte trieben insbesondere den südkoreanischen Kospi, wobei Samsung Electronics mehr als 5 Prozent zulegte und SK Hynix um 6,4 Prozent stieg. In Tokio standen vor allem Unternehmen aus den Bereichen Halbleiter, KI und Datacenter-Infrastruktur im Fokus. Murata Manufacturing gewann 18 Prozent, SoftBank mehr als 10 Prozent.
Auch die Luftfahrtbranche profitierte deutlich. Japan Airlines und All Nippon Airways legten kräftig zu, nachdem Investoren davon ausgehen, dass die Wiederöffnung der Straße von Hormus die Versorgung mit Kerosin stabilisieren und damit den Druck auf Ticketpreise und Nachfrage reduzieren könnte.
Nach Einschätzung von Marktstrategen wie Bruce Kirk von Goldman Sachs bleibt der übergeordnete Trend die starke Positionierung in technologie- und KI-bezogenen Aktien. Kapitalströme aus kleineren Märkten wie Südkorea und Taiwan würden zunehmend nach Japan umgeleitet, da dort ausreichende Liquidität und große Technologiewerte verfügbar seien. „Japanische Aktien sind derzeit der zentrale Markt für zusätzliche Allokationen in Asien“, so Kirk.