
Die USA und der Iran haben sich nach Angaben aus Verhandlungskreisen auf ein Rahmenabkommen verständigt, das die Wiederöffnung der Straße von Hormus und eine Verlängerung der seit April geltenden Waffenruhe vorsieht. Die formelle Unterzeichnung des Memorandum of Understanding ist für Freitag in der Schweiz geplant.
Aus dem Umfeld der Gespräche heißt es, der Durchbruch sei in intensiven Vermittlungsrunden durch Katar und Pakistan vorbereitet worden. Beide Staaten hatten in den vergangenen Wochen parallel Gespräche mit Washington und Teheran geführt und zuletzt auf eine rasche Einigung gedrängt.
Die unmittelbare politische Signalwirkung der Nachricht zeigte sich zunächst an den Energiemärkten. Der Preis für Brent-Rohöl fiel am Montag um 4,4 Prozent auf 83,51 US-Dollar je Barrel, während die europäischen Aktienmärkte zulegten. Der Stoxx Europe 600 erreichte zeitweise ein neues Rekordniveau, auch US-Futures deuteten auf eine freundliche Eröffnung in New York hin.
In Washington verwies US-Präsident Donald Trump in einem Beitrag auf Truth Social darauf, dass die Öffnung der Meerenge nach der Unterzeichnung des Abkommens unmittelbar beginnen solle. Mit der Räumung von Seeminen könne Öl wieder „für die Region und die Welt“ fließen, schrieb er.
Auch Teheran bestätigte über den Nationalen Sicherheitsrat, dass der Text eines Rahmenabkommens finalisiert worden sei. Darin sei vorgesehen, die Kampfhandlungen „an allen Fronten, einschließlich Libanon“, zu beenden. Gleichzeitig bleibt die Formulierung bewusst offen, da zentrale politische Fragen weiterhin nicht abschließend geklärt sind.
Dazu zählen insbesondere die Zukunft des iranischen Atomprogramms und die Sanktionserleichterungen der USA. Nach Angaben aus Verhandlungskreisen soll beides nicht unmittelbar Teil der ersten Phase sein, sondern erst nach Inkrafttreten des Memorandums in einem zweiten Verhandlungsschritt behandelt werden.
Geplant ist zudem eine begrenzte wirtschaftliche Übergangsregelung. Washington würde dem Iran für die Dauer der 60-tägigen Waffenruhe eine Ausnahmegenehmigung für Ölexporte erteilen, während weitergehende Lockerungen von Fortschritten in den Nukleargesprächen abhängig bleiben.
Im Kern der Vereinbarung steht die schrittweise Normalisierung der Schifffahrt durch die Straße von Hormus. In einer ersten Phase sollen iranische Einheiten mit der Räumung von Seeminen beginnen, während der internationale Schiffsverkehr parallel wieder hochgefahren wird. Während der Übergangszeit sind keine Durchfahrtsgebühren vorgesehen.
Im Gegenzug würde die US-Marine ihre Blockade iranischer Häfen zurückfahren. Parallel dazu soll eine technische Gesprächsphase in Doha vorbereitet werden, die Details der Umsetzung klären soll.
Die Vermittlerstaaten Katar und Pakistan bestätigten die grundsätzliche Einigung und sprachen von einem Zeitfenster von wenigen Tagen bis zur Unterzeichnung. Weitere Treffen auf technischer Ebene seien unmittelbar nach dem Wochenende geplant.
Der Konflikt hatte in den vergangenen Monaten insbesondere durch die wiederholte Eskalation zwischen Israel und der Hisbollah zusätzliche Komplexität erhalten. Während der Iran auf eine Einbeziehung regionaler Konflikte in das Abkommen drängte, blieb dies in den US-Positionen weitgehend ausgeklammert.
Mit der geplanten Vereinbarung würde zunächst kein umfassender Friedensvertrag entstehen, sondern ein zeitlich befristeter Rahmen, der die militärische Lage stabilisieren und den Zugang zu den globalen Energiemärkten sichern soll.