
Israel und die Hisbollah haben sich nach Angaben von drei mit den Gesprächen vertrauten Personen auf eine neue Waffenruhe verständigt. Der Schritt erfolgt vor dem Hintergrund einer zunehmend verschränkten Eskalations- und Verhandlungssituation im Nahen Osten, in der der Konflikt im Libanon unmittelbar mit den laufenden US-Iran-Diplomatiekanälen verbunden ist.
Die Feuerpause soll am Freitag um 16.00 Uhr Ortszeit in Kraft treten und wurde nach Angaben zweier Diplomaten von Katar, den USA und dem Iran vermittelt. Ihre Entstehung fällt in eine Phase, in der mehrere diplomatische Ebenen gleichzeitig unter Druck geraten sind.
So hatte Iran zuvor geplante Atomgespräche mit US-Vertretern in der Schweiz abgesagt, nachdem israelische Angriffe im Libanon eskaliert waren. Die Abfolge der Ereignisse unterstreicht, wie stark regionale Militärdynamiken inzwischen direkt auf die ohnehin fragile US-Iran-Verhandlungsstruktur zurückwirken.
An den Energiemärkten wurde die Nachricht zunächst als kurzfristige Entlastung gewertet. Der Ölpreis für Brent fiel um 0,8 Prozent auf 79,25 US-Dollar pro Barrel. Händler verwiesen jedoch darauf, dass vergleichbare Waffenruhen in der Vergangenheit nur selten Bestand hatten.
Auch diesmal bleibt die Umsetzung unklar. Nur kurz nach dem geplanten Inkrafttreten der Vereinbarung berichteten libanesische Medien über rund ein Dutzend israelischer Luftangriffe im Süden des Landes. Eine offizielle Stellungnahme der israelischen Regierung lag zunächst nicht vor.
Die Vereinbarung steht zudem im Kontext wiederkehrender, bislang gescheiterter Versuche, die Kämpfe zwischen Israel und der Hisbollah einzudämmen. Mehrere diplomatische Initiativen der vergangenen Monate hatten die Gewalt nur kurzfristig unterbrochen.
Die aktuelle Eskalation war durch einen Drohnenangriff der Hisbollah auf einen israelischen Panzer im Südlibanon ausgelöst worden, bei dem vier israelische Soldaten getötet und fünf weitere bei einem separaten Angriff verletzt wurden.
Die israelische Reaktion fiel umfangreich aus. Nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums wurden bei Luftangriffen auf mehr als 20 Ortschaften im Süden des Landes 47 Menschen getötet und 97 verletzt. Das israelische Militär erklärte, es habe seit Mitternacht mehr als 150 Ziele angegriffen, darunter auch im Bekaa-Tal. Die Operationen seien eine Reaktion auf wiederholte Verstöße der Hisbollah gegen bestehende Absprachen gewesen.
Innerhalb der israelischen Regierung löste die Eskalation scharfe Reaktionen aus. Finanzminister Bezalel Smotrich forderte eine Antwort, die die „Tore der Hölle öffnet“, während Sicherheitsminister Itamar Ben-Gvir erklärte, der Libanon müsse „brennen“.
Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kündigte später an, Israel werde in einer selbst definierten Sicherheitszone im Süden des Libanon verbleiben, solange dies zur Absicherung der nordisraelischen Grenzregion notwendig sei. Zugleich warnte er vor einem hohen Preis für weitere Angriffe auf israelische Kräfte.
Auf der Gegenseite erklärte der Hisbollah-Abgeordnete Ibrahim al-Moussawi, die Organisation werde die Waffenruhe einhalten, sofern Israel dies ebenfalls tue, behalte sich jedoch das Recht auf Reaktion vor. Die Formulierung entspricht früheren Positionen in vergleichbaren Vereinbarungen und verweist auf das weiterhin fehlende Vertrauen zwischen beiden Seiten.
Die Waffenruhe ist auch vor dem Hintergrund eines weiter gefassten US-Iran-Rahmens zu sehen, der in dieser Woche eine 60-tägige Verlängerung eines bestehenden Abkommens sowie die mögliche Wiedereröffnung der Straße von Hormus vorsieht. Iran drängt darauf, den Libanon in diese Struktur einzubinden, während Israel einen Rückzug aus dem Süden des Libanon weiterhin ablehnt.
Damit bleibt die aktuelle Vereinbarung weniger ein Abschluss als ein weiterer Versuch, zwei miteinander verflochtene Konfliktlinien, den Krieg im Libanon und die US-Iran-Diplomatie, zeitlich voneinander zu entkoppeln.