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SpaceX verliert 400 Milliarden Dollar Börsenwert: Zinsangst setzt Musk Konzern nach Rekordstart unter Druck

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Nach dem historischen Börsendebüt folgt die Ernüchterung: Fed Chef Kevin Warsh signalisiert härteren Kurs gegen die Inflation. Die Aktie des Raumfahrt und KI Konzerns fällt deutlich, während steigende US Renditen hoch bewertete Technologiewerte belasten.
Nach dem historischen Börsenstart geriet die SpaceX Aktie erstmals deutlich unter Druck. Steigende Zinserwartungen und eine Neubewertung hoch bewerteter Technologieunternehmen führten innerhalb eines Tages zu einem der größten Börsenwertverluste der Finanzgeschichte. © NASA / Joel Kowsky

Nur wenige Tage nach dem spektakulären Börsenstart von SpaceX hat die Euphorie an den Märkten einen deutlichen Dämpfer erhalten. Das Unternehmen von Elon Musk verlor am Montag rund 400 Milliarden Dollar an Börsenwert. Das zählt zu den größten eintägigen Wertverlusten eines einzelnen Unternehmens überhaupt.

Auslöser war kein operativer Rückschlag bei SpaceX selbst. Ausschlaggebend war vielmehr die wachsende Sorge der Anleger, dass die US Notenbank Federal Reserve wegen der anhaltend hohen Inflation die Zinsen erneut anheben könnte.

Kurs liegt bereits 31,5 Prozent unter dem bisherigen Höchststand

Die SpaceX Aktie fiel zum Handelsschluss um 16,4 Prozent auf 154,60 Dollar. Damit liegt der Kurs inzwischen 31,5 Prozent unter dem bisherigen Höchststand, der wenige Tage nach dem historischen Börsengang erreicht worden war. Bei der Erstnotierung am 11. Juni war das Papier noch für 135 Dollar ausgegeben worden.

Der Kursrutsch ließ die Marktkapitalisierung des Konzerns auf rund 2,03 Billionen Dollar sinken. Zwischenzeitlich hatte SpaceX am 16. Juni noch einen Börsenwert von fast 3 Billionen Dollar erreicht. Der Verlust von rund 400 Milliarden Dollar innerhalb eines einzigen Handelstages zählt nach einer Analyse von Bloomberg Daten durch die Financial Times zu den zweitgrößten Tagesverlusten eines einzelnen Unternehmens in der Börsengeschichte.

Mike O’Rourke vom Analysehaus Jones Trading beschrieb die Marktstimmung so, dass jene Anleger, die SpaceX kaufen wollten, dies offenbar bereits in den ersten Tagen nach dem Börsengang getan hätten. Der ursprüngliche Kaufdruck lasse inzwischen erkennbar nach.

Steigende Anleiherenditen treffen hoch bewertete Technologiewerte besonders hart

Der unmittelbare Druck auf SpaceX entstand durch Bewegungen am US Anleihemarkt. Die Renditen für Staatsanleihen stiegen zuletzt deutlich, nachdem Investoren zunehmend davon ausgehen, dass die Federal Reserve ihre Geldpolitik wieder verschärfen könnte.

Gerade für Unternehmen mit extrem hohen Bewertungen ist diese Entwicklung problematisch. SpaceX wird mit mehr als dem 100 fachen seines Jahresumsatzes bewertet. Eine solche Bewertung setzt stark auf zukünftiges Wachstum und langfristige Erwartungen. Wenn sichere Anlagen wie US Staatsanleihen wieder höhere Renditen bieten, werden risikoreiche Wachstumsunternehmen für Anleger im Vergleich weniger attraktiv.

Auch der breitere Technologiesektor geriet am Montag unter Druck. Der Nasdaq Composite verlor 1,3 Prozent. Große Technologiekonzerne wie Alphabet, Amazon und Broadcom gaben jeweils mehr als 4 Prozent nach.

Neuer Fed Chef Kevin Warsh setzt auf entschlossenen Kurs gegen die Inflation

Hinter der Marktbewegung steht vor allem eine Neubewertung der Zinspolitik in Washington. Der neue Fed Chef Kevin Warsh hatte zuletzt angekündigt, die Inflation entschlossen zu bekämpfen.

Die Preissteigerungen wurden unter anderem durch die Folgen des Iran Kriegs und die daraus entstandenen Energiepreisschwankungen verstärkt. Gleichzeitig zeigten die jüngsten Prognosen der US Notenbank eine überraschend restriktive Haltung. 9 der 18 Fed Mitglieder, die eine Prognose abgegeben hatten, erwarten bis Ende des Jahres höhere Zinsen. Noch im März hatte kein einziges Mitglied eine Zinserhöhung erwartet.

Die Märkte preisen inzwischen eine erste Zinserhöhung bereits im September ein. Besonders stark reagierten die kurzfristigen Staatsanleihen. Die Rendite zweijähriger US Treasuries, die besonders sensibel auf Erwartungen zur Geldpolitik reagiert, stieg am Montag um 0,05 Prozentpunkte auf 4,23 Prozent. Das ist der höchste Stand seit mehr als einem Jahr.

Die steigenden Zinsen treffen SpaceX zusätzlich, weil der Konzern selbst auf Fremdkapital angewiesen ist. Das Unternehmen plant eine Anleiheemission von bis zu 20 Milliarden Dollar, um einen gleich hohen Überbrückungskredit zurückzuzahlen. Dieser Kredit entstand im März, als Musk mehrere seiner Technologieprojekte zusammenführte. Das hoch verschuldete KI Start-up xAI und die Plattform X wurden damals mit SpaceX verbunden.

Für Investoren bedeuten die gestiegenen Zinsen höhere Finanzierungskosten. Sie verteuern nicht nur neue Kredite, sondern erhöhen auch die Anforderungen an Unternehmen, die noch stark auf zukünftiges Wachstum setzen.

Bewertung hängt zunehmend vom Erfolg im KI Geschäft ab

Ein wesentlicher Teil der hohen Bewertung von SpaceX basiert inzwischen nicht mehr nur auf Raketen und Satelliten, sondern auf der Erwartung eines großen Erfolgs im Bereich künstliche Intelligenz. Die KI Sparte von Musk erzielte 2025 allerdings noch einen Verlust von rund 6,4 Milliarden Dollar. Gleichzeitig wird für den adressierbaren Markt der KI Branche ein potenzielles Volumen von etwa 26,5 Billionen Dollar angenommen. Diese Zahl bleibt ein wichtiger Bestandteil der aktuellen Bewertungserzählung rund um SpaceX.

Musk versucht deshalb, SpaceX stärker mit der eigenen KI Infrastruktur zu verbinden. Das Unternehmen vereinbarte zuletzt mehrere Kooperationen, bei denen Rechenkapazitäten seiner KI Rechenzentren vermietet werden. Am Montag wurde bekannt, dass SpaceX seinem KI Rechenzentrum Colossus 2 Ressourcen für das Startup Reflection AI bereitstellt. Ähnliche Vereinbarungen hatte Musk zuvor bereits mit Anthropic und Google getroffen. Das Geschäftsmodell ähnelt dabei dem Ansatz von CoreWeave, das Rechenleistung an Unternehmen vermietet, die eigene KI Modelle entwickeln.

Trotz der enormen Erwartungen steht Musks KI Geschäft vor einem schwierigen Wettbewerb. Der von xAI entwickelte Chatbot Grok konnte bislang nicht dieselbe Verbreitung erreichen wie ChatGPT von OpenAI, Gemini von Google oder Claude von Anthropic. Damit hängt ein großer Teil der SpaceX Bewertung weiterhin von der Erwartung ab, dass Musk langfristig eine führende Rolle im KI Infrastrukturmarkt erreichen kann.

Der aktuelle Kursrückgang zeigt jedoch, wie empfindlich solche Zukunftsbewertungen auf Veränderungen am Kapitalmarkt reagieren. Der Börsengang hatte SpaceX zunächst in die Liga der wertvollsten Unternehmen der Welt katapultiert. Die steigenden Zinsen erinnern Investoren nun daran, dass selbst die größten Wachstumsfantasien einem höheren Finanzierungspreis ausgesetzt sind.

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