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Zugang zum Original: Die Rolle der Universitätsbibliothek im digitalen Zeitalter

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Die Begegnung mit der Münchner Brandan-Handschrift zeigt, dass sich viele mittelalterliche Texte nur im Original in der Universitätsbibliothek verstehen lassen, weil sie nicht digital verfügbar sind und ihre besondere Form, ihr Aufbau und ihre Überlieferung nur am physischen Objekt sichtbar werden.
Münchner Brandan-Handschrift, Universitätsbibliothek München, 2° Cod. ms. 688 (Cim. 102). © Miseon Maria Aoh / The Meridian

Die Universitätsbibliothek der Ludwig-Maximilians-Universität München am Geschwister-Scholl-Platz ist zunächst eine moderne Hochschulbibliothek. Wer hierher kommt, sucht in der Regel ein Lehrbuch, reserviert einen Arbeitsplatz oder verlängert eine Ausleihe. Hinter diesem ganz alltäglichen Betrieb liegt aber ein Bereich, der mit dem sichtbaren Bibliotheksleben kaum etwas zu tun hat. Dort sind die besonders empfindlichen und wertvollen Bestände der Universität verwahrt.

Dazu gehören mittelalterliche Handschriften, frühe Drucke, seltene Inkunabeln usw. Es sind geschichtliche Sonderbestände, die nicht im Ausleihsystem geführt werden. Sie werden zentral innerhalb der Universitätsbibliothek verwaltet und nur zu wissenschaftlichen Zwecken und nach Anfrage bereitgestellt. Der Zugriff erfolgt nicht über die üblichen Ausleihprozesse, sondern über eine kontrollierte Bereitstellung einzelner Objekte, die unter konservatorischen Bedingungen im Original eingesehen werden können.

Eine Gruppe von Germanistik Studierenden der LMU ist hierher gekommen, nicht als gewöhnliche Bibliotheksbesucher, sondern im Rahmen einer Seminar-Exkursion, die Seminarleiter zu diesem Zwecke eigens beim Haus beantragt hatte. Was sie erleben durften, ist selbst für Forschende selten: eine mittelalterliche Handschrift mit eigenen Händen zu berühren und Seite für Seite durchzusehen.

Ein verborgener Schatz der UB der LMU München: Eine undigitalisierte mittelalterliche Handschrift

Die Münchner Brandan-Handschrift ist kein Objekt, das man einfach so bestellt. Sie ist nicht als Digitalisat verfügbar, nirgends. Wer sie sehen möchte, muss herkommen, und dafür braucht es einen wissenschaftlichen Anlass.

„Ich freue mich sehr, dass wir hier heute in der UB sein dürfen und uns diese Münchner Brandan-Handschrift angucken können”, sagte der Seminarleiter zu Beginn. Er hatte den Besuch eigens organisiert und betonte, was das Besondere dieser Begegnung ausmacht: „Das Tolle daran ist, dass es kein Digitalisat gibt. Allein durch die Verfügbarkeit dieser Handschrift ist es zwingend, sie anzugucken.”

Dr. Sven Kuttner, stellvertretender Direktor der Universitätsbibliothek der LMU und Abteilungsleiter Historische Sammlungen, begleitete die Gruppe beim unmittelbaren Umgang mit der mittelalterlichen Handschrift und erläuterte während der Einsichtnahme die korrekte Handhabung und die einzelnen Arbeitsschritte, bevor die Handschrift selbst auf den Tisch kam.

Alle Teilnehmenden wurden gebeten, die Hände gründlich zu waschen und anschließend wieder an ihren Plätzen Platz zu nehmen. Hautöle, Handschweiß, selbst minimale Feuchtigkeit können Papier aus dem 15. Jahrhundert nachhaltig schädigen. Baumwollhandschuhe stehen zwar bereit, erläuterte Dr. Kuttner, doch sie nehmen den Fingern das taktile Feedback, das feine Gespür dafür, wie viel Druck auf das Blatt ausgeübt wird. Im schlimmsten Fall erhöht das die Gefahr, eine fragile Seite zu beschädigen. Saubere, trockene Hände schützen eine Handschrift deshalb besser als Handschuhe.

Eine sogenannte Bleischlange fixiert die Seite, ohne Druck auf das empfindliche Papier auszuüben. © Miseon Maria Aoh / The Meridian

Als der Codex schließlich auf dem Tisch lag, demonstrierte Dr. Kuttner zuerst das richtige Vorgehen. Mit zwei Fingern fasste er an den unteren Rand des Blattes und schlug die Seite behutsam um. Um sie anschließend offen und flach zu halten, ohne sie dauerhaft festhalten zu müssen, griff er zu einem unscheinbaren Hilfsmittel: einer sogenannten Bleischlange, in der im Museums- und Bibliotheksgebrauch meist eine Bleischlange in Form eines mit Gewicht gefüllten Stoffschlauchs verwendet wird. Diese fixiert die aufgeschlagene Seite durch ihr Eigengewicht sanft und ohne Druck auf das empfindliche Papier auszuüben. Dann durften die Studierenden selbst blättern.

Ein mittelalterlicher Codex zwischen Erzählung und Illustration

Was sie vor sich sahen, war eine zweispaltige Prosahandschrift in frühneuhochdeutschem Schwäbisch. Wer genau hinsah, konnte im Gegenlicht das Wasserzeichen im Papier erkennen, den Ochsenkopf, das beliebteste Wasserzeichen der Zeit und ein wichtiges Hilfsmittel zur Datierung solcher Codices.

Und dann waren da die 273 kolorierten Federzeichnungen, die den Text durchziehen. Zunächst mit der Feder in Umrissen angelegt und dann farbig ausgestaltet, begleiten sie die Erzählung als eine Art visuelles Inhaltsverzeichnis der Reise. Mönche in rotbraunen Kutten, ein Schiff auf stilisierten Wellen, Inseln mit seltsamen Bewohnern, paradiesische Orte. Jede Zeichnung ist zugleich naiv und präzise, das Produkt einer Werkstattpraxis, die Bilder als Wegweiser durch einen langen, episodisch strukturierten Text verstand.

Der Seminarleiter wies auf einen aufschlussreichen Vergleich hin. Die Heidelberger Schwesterhandschrift, der Codex Palatinus germanicus 60, zeigt dasselbe Bildprogramm und illustriert dieselben Szenen. Und doch sind die Bilder völlig anders gestaltet. Wo die Münchner Handschrift zweispaltig angelegt ist und Illustrationen in den Textfluss integriert, arbeitet die Heidelberger Version mit einer anderen Bildstruktur.

Welche Darstellungsentscheidungen die jeweiligen Werkstätten trafen, wie Mönche und ihre Aktivitäten ins Bild gesetzt wurden, welche Szenen priorisiert wurden, all das lässt sich nur im direkten Vergleich erkennen. Das Digitalisat der Heidelberger Handschrift ist online verfügbar und wurde im Seminar zur Vorbereitung genutzt. Das der Münchner nicht. Und genau deshalb stand die Gruppe jetzt hier.

Ein Codex an einer Zeitenwende

Die Münchner Brandan-Handschrift stammt aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts und wurde im südwestdeutschen Raum auf Papier geschrieben. Mit ihren 398 Blättern gehört sie zu den umfangreicheren mittelalterlichen Sammelhandschriften. Anders als ein einzelnes Buch vereint sie verschiedene Texte in einem Band: darunter eine Weltgeschichte der Bibel, eine Kaiserchronik, Lehr- und Beispielsammlungen sowie Erzähltexte, die im Mittelalter weit verbreitet waren.

Besonders wichtig ist ein Abschnitt, der sich mit Brandans Meerfahrt beschäftigt und auf den Blättern 230vb bis 260rb steht. Damit lässt sich genau bestimmen, wo der Text im Band zu finden ist. Die Angaben folgen einer alten Beschreibungsmethode für Handschriften: Sie zeigt nicht nur die Seiten, sondern auch Vorder- und Rückseite sowie die zwei Spalten einer Seite an.

Im Mittelpunkt dieses Teils steht die Geschichte des irischen Mönchs Brendan von Clonfert (um 484 bis 577). Seine Reise über das Meer gehörte im Mittelalter zu den bekanntesten Erzählungen über ferne, unbekannte Welten. Brendan begegnet darin Inseln voller Wunder, ungewöhnlichen Kreaturen und Landschaften, die zwischen paradiesischen Vorstellungen und gefährlichen Orten schwanken. Die Geschichte verbindet religiöse Vorstellungen mit der Sehnsucht nach dem Unbekannten und wurde deshalb in vielen Handschriften immer wieder weitergegeben.

Von dieser deutschen Fassung der Brandan-Erzählung sind heute nur wenige Überlieferungen bekannt. Die Münchner Handschrift gehört zu den vier erhaltenen Zeugnissen; die anderen befinden sich in Heidelberg, Berlin und Gotha.

Die Inkunabel am Ende der Münchner Brandan Handschrift zeigt den Übergang von der Manuskript- zur Druckkultur des 15. Jahrhunderts. © Miseon Maria Aoh / The Meridian

Was den Codex darüber hinaus auszeichnet, ist seine Stellung an einer Zeitenwende. Am Ende des Bandes befindet sich eine Inkunabel, ein früher Buchdruck. Handschrift und Frühdruck berühren sich buchstäblich in einem Band. Der Codex ist damit ein einzigartiges Dokument der Übergangsphase vom handschriftlichen Mittelalter zur Druckkultur des 15. Jahrhunderts.

Am Einband lässt sich außerdem die Entstehungsgeschichte des Bandes ablesen. Er wurde in Ingolstadt gebunden, von einem Buchbinder, der sich namentlich nicht zuordnen lässt, in einem sogenannten Halbband mit Holzdeckeln. Das Leder wurde dabei nur bis zur Hälfte aufgezogen, die günstigere Variante. Eine Schließe hält den Block zusammen und schützt ihn vor dem Aufspringen. Daher übrigens der Begriff „ein Buch aufschlagen”. Das Lösen der Schließe war einst wortwörtlich der erste Schritt des Lesens.

Warum die Brandan-Handschrift analog bleibt: Der enge Einband und das Risiko des Textverlusts

Der Grund für die fehlende Digitalisierung der Münchner Brandan-Handschrift ist denkbar schlicht. Der Codex ist fest gebunden, mit einem engen Rücken, der sich beim Aufschlagen kaum öffnet. Um jede Seite vollständig und verzerrungsfrei zu erfassen, müsste der Buchblock aufgetrennt werden. Die Handschrift müsste zerlegt, digitalisiert und neu gebunden werden. Das würde den originalen Einband unwiederbringlich zerstören.

„Ich habe bis heute trotz aller Unterstützung keine technische Lösung gefunden, wie ich diese Handschrift digitalisieren kann, ohne dass es Textverluste gibt”, sagte Dr. Kuttner. „Das Einzige, was ich machen könnte, wäre, die Handschrift im Prinzip zu zerlegen. Dagegen weigere ich mich.”

Die Münchner Brandan Handschrift bleibt also analog. Wer sie sehen möchte, muss herkommen.

Die Geschichte der Universitätsbibliothek der LMU seit 1473

Die Geschichte der Universitätsbibliothek der LMU beginnt im Jahr 1473, kurz nach der Gründung der Hohen Schule in Ingolstadt durch Herzog Ludwig den Reichen. Am Anfang stand keine große Bibliothek, sondern eine kleine Sammlung von Büchern, die im Studium einfach gebraucht wurden.

Damals waren Bücher kostbar und für die meisten Studierenden kaum erschwinglich. Damit überhaupt gelernt werden konnte, wurden Texte gemeinsam angeschafft und für den Unterricht bereitgestellt. Zunächst diente diese Sammlung vor allem den jüngeren Studierenden in der sogenannten Artistenfakultät – einer Art Grundstudium, in dem die wichtigsten Grundlagen vermittelt wurden: Sprache, Logik, aber auch Mathematik, Astronomie und Musik.

Herzog Ludwig der Reiche von Bayern-Landshut eröffnet die Universität in Ingolstadt 1472. Herzog Ludwig der Reiche von Bayern-Landshut eröffnet die Universität in Ingolstadt 1472. © Universitätsarchiv München

Erst wer dieses Grundstudium geschafft hatte, durfte weiterziehen in die großen Fachbereiche wie Theologie, Recht oder Medizin. Aus dieser praktischen Lösung für den Studienalltag entstand über die Jahrhunderte hinweg die heutige Universitätsbibliothek.

Ingolstadt war während der Reformation kein neutraler Ort. Die Stadt war das theologische Gegenzentrum zu Wittenberg, von dem aus die Gegenreformation organisiert wurde. Das hatte eine zunächst überraschende Folge für die Bibliothek. Sie besitzt bis heute einen der größten Bestände an reformatorischer Literatur in Deutschland, nicht weil man sie schätzte, sondern weil man sie für die Disputation und die gezielte Widerlegung aufbewahrte. Die Bücher des theologischen Gegners waren Arbeitsmaterial.

Den entscheidenden Wachstumsschub brachte die Säkularisation von 1803. Als die bayerischen Klöster aufgelöst wurden, strömten deren Buchbestände in die Universitätsbibliothek. Tausende Drucke und Handschriften aus über 35 Klöstern und Stiften kamen hinzu, darunter vollständige Bibliotheken wie die des Franziskanerklosters Landshut.

Die UB stieg damit zur drittgrößten Universitätsbibliothek im deutschsprachigen Raum auf. 1800 hatte die Universität Ingolstadt verlassen und war nach Landshut gezogen, wo die Bestände erstmals alphabetisch katalogisiert wurden. 1826 verlegte König Ludwig I. die Universität nach München. 1840 bezog die Bibliothek das neue Universitätsgebäude an der Ludwigstraße, dort wo sich heute die Bibliothek für Philosophie und Theologie befindet.

Das von Friedrich von Gärtner entworfene Hauptgebäude der LMU. © Universitätsarchiv München

Seit 1900 wird die Bibliothek von professionellen Bibliothekaren geleitet. 1925 zählte sie mit rund 830.000 Bänden zur größten Universitätsbibliothek Deutschlands. Sie übernahm auch eine Pflichtexemplarfunktion für den Regierungsbezirk Oberbayern. Jeder Verlag im Bezirk musste ein Exemplar jeder Neuerscheinung abliefern. München war in den 1970er und 1980er Jahren, nach New York, der zweitgrößte Verlagsstandort der Welt. Das füllte die Magazine der UB nachhaltig.

Der Zweite Weltkrieg hinterließ die tiefste Wunde. Der wertvolle Altbestand war rechtzeitig an über 60 Auslagerungsorte verbracht worden. Der moderne Bestand, Bücher des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, blieb im Haus.

Im Juli 1944 folgten zwei Bombenangriffe in kurzer Folge, zunächst Sprengbomben, dann Brandbomben. Am 15. Juli stand die Universitätsbibliothek bis auf die Außenmauern in Flammen. Ein Drittel des Gesamtbestands war verloren. Andere Bibliotheken hatten noch weniger Glück und verloren auch ihre wertvollen Altbestände, weil man sie nicht rechtzeitig ausgelagert hatte.

Der Betrieb wurde nach dem Krieg notdürftig aufrechterhalten. 1967 konnte ein Neubau bezogen werden. Das Magazin wurde in die Mitte des Gebäudes gestellt, Verwaltung und Benutzung in die Peripherie gedrängt. Es war die Logik einer nach innen gekehrten Institution. Heute gehören rund 200 ehemalige Seminarbibliotheken zum Verbund der UB. Die letzte große, die juristische, hat sich erst vor wenigen Jahren dem Zusammenschluss gebeugt.

Historische Sammlungen: Ein streng kontrollierter Bestand von zehntausenden alten Drucken

Das Handschriften- und Rara-Magazin der UB liegt in einem vollklimatisierten Bereich, dessen Temperatur und Luftfeuchtigkeit kontinuierlich überwacht werden. Die Anlage kämpft das ganze Jahr gegen die klimatischen Schwankungen Münchens.

Moosburger Gradual (14. Jahrhundert), eine liturgische Handschrift mit gregorianischer Choralnotation und farbig gestalteten Initialen; Historische Sammlungen der Universitätsbibliothek München. © Universitätsbibliothek München

Was dort aufbewahrt wird, ist von außerordentlichem Rang. Die UB besitzt rund 300 mittelalterliche Handschriften, eingebettet in einen Gesamthandschriftenbestand von über 3.400 Codices, der von der karolingischen Epoche bis in die Neuzeit reicht.

Deutschsprachige Texte aus Altbayern, Franken und Schwaben stehen neben lateinischen, griechischen, arabischen und türkischen Handschriften. Die inhaltliche Bandbreite reicht von Theologie, Recht und Medizin über Naturwissenschaften und Philosophie bis hin zu Kochbüchern. Darunter befindet sich, wie Dr. Kuttner nicht ohne Freude erwähnte, das älteste erhaltene deutschsprachige Kochbuch.

Orientalische Handschriften sind mit rund 33 Stücken vertreten, darunter türkische und arabische Texte des 16. und 17. Jahrhunderts sowie eine armenische Gebetsrolle des 16. Jahrhunderts mit Illustrationen. Hinzu kommen fast 3.600 Inkunabeln, rund 475.000 alte Drucke aus den Jahren 1501 bis 1900 und 186 Nachlässe bedeutender Gelehrter.

Das Universitätsarchiv gehört seit 2021 organisatorisch zur UB und bewahrt Schriftgut von der Universitätsgründung 1472 bis heute.

Universitätsbibliotheken im digitalen Zeitalter: Wo Wissen nicht nur gespeichert, sondern erfahrbar wird

Am Ende dieser Exkursion bleibt weniger ein einzelner Eindruck als ein Bewusstsein für die Materialität von Wissen. In einer Zeit, in der große Teile der wissenschaftlichen Überlieferung nur noch über Bildschirme zugänglich sind, wirkt der direkte Zugang zu einem Originalcodex wie eine selten gewordene Erfahrung. Das vorsichtige Umblättern, der kurze Moment des Innehaltens vor einer neuen Seite und das Gewicht des gebundenen Bandes machen sichtbar, dass solche Quellen nicht nur gelesen, sondern auch physisch gehandhabt werden müssen.

Gerade deshalb gewinnt der Besuch einer Universitätsbibliothek eine eigene Bedeutung. Sie ist nicht nur ein Ort der Aufbewahrung, sondern ein Raum, in dem sich wissenschaftliche Arbeit unmittelbar mit ihren Quellen verbindet. Die Begegnung mit einer Handschrift zeigt, dass selbst in hochgradig digitalisierten akademischen Umgebungen zentrale Teile der Überlieferung weiterhin an ihre physische Form gebunden bleiben.

Die Brandan Handschrift steht exemplarisch für diesen Zustand. Sie ist vorhanden, zugänglich, wissenschaftlich erschlossen – und bleibt dennoch an ihren Ort gebunden. Nicht alles, was Teil des kulturellen Gedächtnisses ist, lässt sich ohne Verlust in digitale Reproduzierbarkeit überführen. Manche Überlieferungen behalten ihre Form gerade deshalb, weil sie in ihrer materiellen Struktur nicht neutral sind, sondern selbst Teil ihrer Bedeutung.

Universitätsbibliotheken erscheinen vor diesem Hintergrund weniger als Zwischenstationen der Forschung, sondern als dauerhafte Infrastrukturen des kulturellen Gedächtnisses. In ihren Magazinen liegen nicht nur Quellen vergangener Jahrhunderte, sondern auch die Grenzen dessen, was gegenwärtige Technik leisten kann, ohne das Original zu verändern oder zu gefährden.

Die Historischen Sammlungen der UB der LMU München sind für wissenschaftliche Zwecke nach Voranmeldung zugänglich. Gruppenbesuche und Lehrveranstaltungen können nach Absprache mit dem Referat Historische Sammlungen organisiert werden. Die Bereitstellung von Handschriften dauert in der Regel ein bis zwei Werktage. Weitere Informationen: http://www.ub.lmu.de/de/historische-sammlungen/

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