Mit der Auswahl von Banken und Zahlungsdienstleistern bereitet die Europäische Zentralbank den Praxistest des digitalen Euro vor. Die Testphase soll 2027 beginnen. Eine Einführung der neuen Zentralbankwährung ist nach aktuellem Zeitplan jedoch frühestens ab 2029 möglich.

Die Pläne für den digitalen Euro werden konkreter, da die Europäische Zentralbank jetzt das Teilnehmerfeld für den anstehenden Praxistest festgezurrt hat. Diese groß angelegte Versuchsreihe soll in der zweiten Hälfte des Jahres 2027 an den Start gehen. Wer allerdings auf eine rasche Einführung hofft, muss sich gedulden, denn im offiziellen Zeitplan ist die neue digitale Währung frühestens für das Jahr 2029 vorgesehen.
Aus dem gesamten Euroraum erhielten insgesamt 36 Banken und Zahlungsdienstleister den Zuschlag für das ambitionierte Pilotprojekt. Die Währungshüter wollen die technische Basis sowie die Tauglichkeit im Alltag unter echten Bedingungen auf Herz und Nieren prüfen. Dass das Interesse in der Branche riesig ist, zeigt die Bewerberliste, auf der nach Angaben der Notenbank im Vorfeld mehr als fünfzig Unternehmen standen.
Unter den ausgewählten Akteuren finden sich namhafte Adressen wie die Deutsche Bank, die DZ Bank, die Helaba sowie Payone und die RS2 Financial Services GmbH. Bei der Zusammensetzung des Testkreises haben die Verantwortlichen in Frankfurt bewusst darauf geachtet, eine bunte Mischung aus verschiedenen Unternehmensgrößen und ganz unterschiedlichen Geschäftsmodellen zusammenzustellen. Nur durch diese Vielfalt lässt sich im Vorfeld verlässlich erproben, ob das System später in allen denkbaren Sparten des Zahlungsverkehrs stabil läuft.
Die eigentliche Testphase ist auf genau zwölf Monate ausgelegt und soll im Laufe der zweiten Jahreshälfte 2027 anlaufen. Gearbeitet wird dabei mit einer Betaversion des digitalen Euro, die rein technisch dem späteren Endprodukt bereits extrem nahekommt. Aus juristischer Sicht handelt es sich zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht um ein offizielles gesetzliches Zahlungsmittel. Im Fokus der Entwickler stehen vielmehr harte Belastungstests für die IT-Infrastruktur, gründliche Sicherheitschecks sowie die ganz praktische Frage, ob das System auch bei einem massiven Ansturm von Millionen Nutzern gleichzeitig standhält.
Neben den Notenbanken selbst mischen auch ausgewählte Händler und Onlineanbieter bei den praktischen Versuchen mit. Simuliert werden ganz normale Situationen aus dem Alltag, angefangen beim Einkauf im Supermarkt über das Bezahlen im Café an der Ecke bis hin zur Bestellung im Internet. Sogar direkte Überweisungen zwischen Privatleuten stehen auf dem Prüfprogramm. Die Frankfurter Notenbank erhofft sich von diesem realitätsnahen Probelauf wichtige Daten und Erkenntnisse für eine mögliche spätere Einführung.
Piero Cipollone, Direktor im Vorstand der Europäischen Zentralbank, wertet die hohe Beteiligung der Privatwirtschaft als ein klares Aufbruchssignal. Das rege Interesse zeige deutlich, dass die Unternehmen bereit seien, den digitalen Euro tatkräftig mitzugestalten und den Sprung von der Theorie in die Praxis aktiv zu begleiten.
Das neue Digitalgeld soll das bewährte Bargeld übrigens keineswegs ablösen, sondern lediglich als zusätzliche Option dienen. Der fundamentale Unterschied zu bekannten elektronischen Zahlungsmitteln ist die Herkunft, da dieser digitale Euro direkt von der Zentralbank ausgegeben wird. Die Bürger sollen das Geld später über eine digitale Geldbörse nutzen können, beispielsweise integriert in einer App auf dem Smartphone. Ein direktes Konto für jedermann bei der Europäischen Zentralbank selbst ist nach den aktuellen Plänen ausdrücklich nicht geplant.
Mit diesem Großprojekt verfolgen die Währungshüter nicht zuletzt ein wichtiges geopolitisches Ziel. Der europäische Zahlungsverkehr soll endlich aus der Abhängigkeit von US-amerikanischen Giganten wie PayPal, Mastercard, Visa oder Apple Pay gelöst werden, die den Markt derzeit fast vollständig dominieren. Eine eigene europäische Digitalwährung könnte die Infrastruktur des Kontinents krisenfest machen und damit die finanzielle Souveränität der Europäischen Union entscheidend stärken.
Ob der digitale Euro am Ende tatsächlich für alle kommt, steht allerdings noch in den Sternen. Vorab müssen die gesetzlichen Rahmenbedingungen auf europäischer Ebene komplett unter Dach und Fach gebracht werden. Erst wenn dieser rechtliche Rahmen steht, will die Europäische Zentralbank endgültig über die tatsächliche Ausgabe entscheiden. Vor dem Jahr 2029 wird die digitale Währung im Alltag also wohl kaum zu sehen sein.
Während Befürworter das Projekt als sichere und staatliche Alternative im modernen Zahlungsverkehr loben, verstummen die kritischen Stimmen nicht. Nach wie vor gibt es viele offene Fragen beim Thema Datenschutz, bei der tatsächlichen Akzeptanz in der Bevölkerung und beim echten Mehrwert für den Verbraucher, der ja bereits auf viele funktionierende Bezahlsysteme zurückgreifen kann. Die Ergebnisse des anstehenden Pilotprojekts dürften somit das Schicksal des digitalen Euro maßgeblich mitbestimmen.