Neue Destatis Daten zeigen eine wachsende Wohnkostenkrise unter Studierenden. Fast zwei Drittel der Haushalte gelten als überlastet, während das mittlere Einkommen unter 963 Euro pro Monat liegt.
Die Wohnkosten entwickeln sich für einen Großteil der Studierenden in Deutschland zur größten finanziellen Belastung ihres Alltags. Das Statistische Bundesamt teilte am 15. Juli 2026 neue Ergebnisse dazu mit. Die Daten stammen aus der europäischen Erhebung zu Einkommen und Lebensbedingungen für das Jahr 2025. Studierende mit eigener Haushaltsführung müssen demnach durchschnittlich 54 Prozent ihres verfügbaren Einkommens für Wohnkosten aufwenden.
Zum Vergleich liegt dieser Anteil in der Gesamtbevölkerung bei nur 24 Prozent. Damit ist die Wohnkostenquote von Studierenden mit eigenem Haushalt mehr als doppelt so hoch wie im gesamtgesellschaftlichen Durchschnitt. Besonders betroffen sind Studierende, die ganz alleine wohnen. Sie verwenden nach den Angaben von Destatis durchschnittlich 56 Prozent ihres Einkommens für die Miete und Nebenkosten.

Wer ausschließlich mit anderen Studierenden oder Auszubildenden in einer Wohngemeinschaft lebt, kommt auf 49 Prozent. Das ist ein etwas niedrigerer, aber ebenfalls deutlich überdurchschnittlicher Wert. Für die Statistik wurden auch alle Studierenden unabhängig von ihrer Wohnform betrachtet. Werden jene eingerechnet, die noch im Elternhaus leben, entfallen im Durchschnitt immer noch 32 Prozent des verfügbaren Einkommens auf das Wohnen.
Zwei Drittel der Studierendenhaushalte gelten als überlastet
Nach der Definition der europäischen Statistikbehörde Eurostat gilt ein Haushalt als wohnkostenüberlastet, wenn nach Abzug von Transferleistungen wie dem Wohngeld weiterhin mehr als 40 Prozent des verfügbaren Einkommens für Wohnkosten aufgewendet werden müssen. Nach dieser Definition waren im vergangenen Jahr 65 Prozent aller Studierendenhaushalte mit eigener Haushaltsführung in Deutschland überlastet. Bei alleinlebenden Studierenden lag der Anteil mit 66 Prozent sogar noch geringfügig höher.
Werden alle Studierenden unabhängig von ihrer Wohnform einbezogen, waren es insgesamt 28 Prozent. In der Gesamtbevölkerung traf diese Definition dagegen nur auf 11 Prozent der Haushalte zu. Diese Zahlen verdeutlichen ein großes Problem. Steigende Mieten sind längst nicht mehr nur ein Phänomen einzelner Großstädte. Sie haben sich zu einer strukturellen Belastung des gesamten deutschen Hochschulsystems entwickelt.
Die Zahl der Studierenden ist in den vergangenen Jahren hoch geblieben. Das Angebot an bezahlbarem Wohnraum konnte damit nicht Schritt halten. Das gilt insbesondere für beliebte Universitätsstädte wie München, Berlin, Hamburg, Köln oder Frankfurt am Main. Nach Angaben des Deutschen Studierendenwerks standen zuletzt bundesweit rund 33000 Studierende auf den Wartelisten für einen Platz in einem öffentlich geförderten Wohnheim. Allein in Münster kamen im Vergleich zum vorangegangenen Wintersemester rund 2000 zusätzliche Wartende hinzu.
Die Studierendenwerke können nach eigenen Angaben insgesamt nur etwa 10 Prozent des studentischen Wohnbeds in ihren eigenen Einrichtungen decken. Der überwiegende Teil der Studierenden ist damit komplett auf den freien Wohnungsmarkt angewiesen. Dort konkurrieren sie unmittelbar mit Berufstätigen um den knappen Wohnraum.
Wartezeiten von bis zu sieben Semestern und Mieten über 600 Euro
Wie groß der Unterschied zwischen den einzelnen Hochschulstädten ausfällt, zeigen aktuelle Vergleichswerte für studentische Wohnungen mit rund 30 Quadratmetern einschließlich Nebenkosten. In Freiburg lag die durchschnittliche Miete zuletzt bei 614 Euro. In Münster zahlte man im Schnitt 593 Euro und in Tübingen 582 Euro. Auch Göttingen mit 565 Euro, Regensburg mit 541 Euro und Heidelberg mit 538 Euro liegen über dem Gesamtdurchschnitt von 533 Euro für die erfassten deutschen Universitätsstädte.
Selbst an vergleichsweise günstigeren Standorten übersteigt die Miete für ein einzelnes Zimmer oft schon einen erheblichen Teil des studentischen Einkommens. In Aachen liegt der Wert bei 517 Euro, in Würzburg bei 514 Euro und in Jena bei 471 Euro. Das mittlere studentische Monatseinkommen beträgt im Median dagegen nur 963 Euro. Selbst in öffentlich geförderten Wohnheimen entspannt sich die Lage kaum.
Das Studierendenwerk München Oberbayern vermietet mehr als 9000 Zimmer und Apartments in München, Freising und Rosenheim. Es verlangt für einen Einzelwohnplatz im Schnitt aber bereits 400,60 Euro im Monat. Die Wartezeit für einen dieser begehrten Plätze beträgt je nach Wohnanlage zwischen einem und sieben Semestern. Nur ein Viertel der frei werdenden Plätze wird gezielt an Studienanfänger im ersten oder zweiten Semester vergeben.
Über einen längeren Zeitraum betrachtet sind die Mieten für Studierende zudem deutlich stärker gestiegen als die allgemeinen Lebenshaltungskosten. Zwischen 2009 und 2021 erhöhte sich der Verbraucherpreisindex um 18,3 Prozent. Die Mietkosten für Studierende legten im selben Zeitraum hingegen um 42 Prozent zu. Der Anteil der Studierenden, die mehr als 500 Euro Miete zahlen mussten, stieg von 2 Prozent im Jahr 2012 auf 16 Prozent im Jahr 2021.
Erwerbsarbeit bleibt wichtigste Einkommensquelle
Parallel zu den steigenden Wohnkosten bleibt das verfügbare Einkommen vieler Studierender sehr gering. Die Hälfte aller Studierenden mit eigener Haushaltsführung verfügte laut Destatis zuletzt über weniger als 963 Euro Nettoäquivalenzeinkommen im Monat. Das ist der Medianwert, womit die eine Hälfte der Studierenden über weniger und die andere Hälfte über mehr als diesen Betrag verfügt. Die Einkommensstruktur zeigt zudem eine starke Abhängigkeit von eigener Erwerbstätigkeit.
Studierende mit eigener Haushaltsführung bezogen im Durchschnitt 45 Prozent ihrer Einkünfte aus Arbeit neben dem Studium. Weitere 29 Prozent entfielen auf private Unterstützung wie Unterhaltszahlungen von Eltern oder Angehörigen. BAföG-Leistungen und Stipendien machten lediglich 14 Prozent der Einnahmen aus. Die verbleibenden 12 Prozent entfielen auf sonstige Quellen wie Kindergeld oder Hinterbliebenenrenten.
Bei der Betrachtung aller Studierenden unabhängig von ihrer Wohnform bleibt die Erwerbstätigkeit ebenfalls die wichtigste Einnahmequelle. Hier liegt der Anteil bei 43 Prozent. Die private Unterstützung erreicht in dieser Gruppe 15 Prozent. Staatliche Förderung wie das BAföG macht 12 Prozent aus, während sonstige Einkünfte bei 29 Prozent liegen.
Ein strukturelles Problem des Hochschulsystems
Die Bundesregierung hat im Koalitionsvertrag festgehalten, die BAföG-Wohnkostenpauschale im Rahmen einer umfassenden BAföG-Novelle anzuheben. Mit dieser Pauschale wird ein Teil der Mietkosten pauschal abgegolten. Bis 2026 oder 2027 soll dieser Betrag auf 440 Euro steigen. Zugleich soll der Grundbedarf an das Niveau der Grundsicherung angepasst werden.
Seit 2018 wäre dies nach Berechnungen von Interessenverbänden eine Anhebung der Wohnkostenpauschale um 76 Prozent. Angesichts der realen Mieten bezweifeln Studierendenvertreter jedoch den Erfolg. In vielen Hochschulstädten liegen die Kosten bereits heute deutlich über 500 Euro. Der neue Betrag wird daher kaum ausreichen, um die tatsächlichen Kosten komplett zu decken.
Zusätzlich fördert der Bund seit 2023 über das Programm Junges Wohnen den Neubau und die Sanierung von Studierendenwohnheimen. Eine Verdopplung der Bundesmittel auf jährlich eine Milliarde Euro ist angekündigt. Diese Erhöhung soll nach bisherigem Stand jedoch erst ab 2027 in vollem Umfang wirksam werden. Vertreter der Studierendenwerke fordern deshalb, diese Aufstockung bereits auf das Jahr 2026 vorzuziehen. Sie dringen darauf, dass die Bundesländer die verfügbaren Mittel konsequent abrufen, damit der dringend benötigte bezahlbare Wohnraum tatsächlich zeitnah entsteht.
Wohnkosten sind für einen Großteil der Studierenden bereits heute zur dominierenden finanziellen Herausforderung geworden. Solange der Neubau und die Sanierung von Wohnheimplätzen nicht mit dem anhaltend hohen Bedarf Schritt halten, dürfte sich diese Entwicklung weiter verschärfen. Das gilt insbesondere für die großen Universitätsstädte.