Neue Perspektiven für eine Welt im Wandel


Fußball WM 2026 startet in Mexiko: Estadio Azteca eröffnet erste Weltmeisterschaft mit 48 Teams

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Das Estadio Azteca schreibt WM Geschichte als erstes Stadion mit drei Eröffnungsspielen. FIFA erweitert das Turnier auf 48 Mannschaften, führt eine neue K.o.-Runde ein und setzt auf technische Innovationen mit dem Sensorball Trionda.
Das Estadio Azteca in Mexiko-Stadt während der Eröffnung der FIFA Fußball Weltmeisterschaft 2026. Das Stadion ist der erste Austragungsort, der eine Weltmeisterschaft zum dritten Mal eröffnet. © The White House / Andrea Hanks

Am Nachmittag eröffnet das Estadio Azteca zum dritten Mal in seiner Geschichte eine Fußball-Weltmeisterschaft. Kein anderes Stadion der Welt kann das von sich behaupten. Schon 1970 und 1986 hob hier eine Weltmeisterschaft ab. Um 13.30 Uhr Ortszeit beginnt die Eröffnungszeremonie. Um 15 Uhr rollt der Ball im ersten Gruppenspiel zwischen Gastgeber Mexiko und Südafrika.

Diese Ausgabe des Turniers unterscheidet sich fundamental von allen vorherigen Weltmeisterschaften. Erstmals nehmen 48 Nationalmannschaften teil, 16 mehr als noch 2022 in Katar. Über 104 Spiele verteilt sich der Wettbewerb auf 39 Tage. Drei Länder tragen das Turnier gemeinsam, Kanada, Mexiko und die Vereinigten Staaten. 16 Städte sind Austragungsorte, elf davon in den USA, drei in Mexiko und zwei in Kanada. Das Finale findet am 19. Juli im Metropolitan Stadium im Großraum New York statt.

Neues Turnierformat mit zusätzlicher K.o. Runde

Mit der Erweiterung auf 48 Teams hat FIFA auch die Struktur des Turniers verändert. Die Mannschaften spielen in 12 Gruppen zu je vier Teams, nachdem FIFA einen ursprünglich diskutierten Plan mit 16 Dreiergruppen wegen der Gefahr von Absprachen verworfen hatte. Jede Mannschaft bestreitet in der Gruppenphase drei Partien.

Die beiden besten Teams jeder Gruppe erreichen automatisch die K.o. Phase, ergänzt um die acht besten Gruppendritten. Damit ziehen erstmals 32 statt 16 Mannschaften in die K.o. Runde ein. Mit der Erweiterung auf 48 Teams führt die FIFA erstmals ein Sechzehntelfinale ein. Damit beginnt die K.o. Phase künftig mit 32 Mannschaften, bevor das Achtelfinale folgt. Sollten Teams nach der Gruppenphase punktgleich sein, entscheidet zunächst die Tordifferenz, dann die Zahl der erzielten Tore, danach der direkte Vergleich und schließlich eine Fair Play Wertung anhand der Karten. Erst wenn all diese Kriterien keine Entscheidung bringen, wird gelost.

Auch technisch setzt diese Weltmeisterschaft neue Maßstäbe. Der offizielle Spielball trägt den Namen Trionda und wurde von Adidas eigens für das Turnier entwickelt. Anders als die klassischen, aus 32 Segmenten genähten Lederbälle früherer Jahrzehnte besteht der Trionda nur noch aus vier thermisch verschweißten Polyurethanplatten. In das Innere ist umfangreiche Sensorik eingearbeitet. Ein Bewegungssensor misst mit 500 Hertz und überträgt Daten in Echtzeit. Ein Hochfrequenzchip ermöglicht eine präzise Positionsbestimmung auf dem Feld. Ein Beschleunigungsmesser erfasst die Wucht jeder Ballberührung. Aufgeladen wird der Ball drahtlos vor jedem Spiel. Die Farbgebung des Balls soll zugleich die drei Gastgebernationen symbolisch miteinander verbinden.

Rekordpreisgeld und traditionsreiche Trophäe

Auch finanziell markiert das Turnier eine neue Dimension. Die FIFA schüttet insgesamt 871 Millionen US Dollar an die 48 teilnehmenden Verbände aus. Der Weltmeister erhält ein Rekordpreisgeld von 50 Millionen US Dollar, der Finalverlierer 33 Millionen. Beide Summen liegen deutlich über den Ausschüttungen der Weltmeisterschaft 2022 in Katar. Nach Medienschätzungen soll das Turnier der FIFA Gesamteinnahmen von rund 15 Milliarden US Dollar bescheren.

Die eigentliche Siegertrophäe bleibt davon unberührt. Der seit 1974 vergebene FIFA Pokal ist 36,8 Zentimeter hoch, wiegt 6175 Gramm und besteht überwiegend aus 18-karätigem Gold. Zwei menschliche Figuren stemmen darauf gemeinsam einen Globus, ein Sinnbild für sportlichen Zusammenhalt. Der Pokal selbst geht an keine Mannschaft dauerhaft über. Sieger erhalten zunächst die Originaltrophäe für den Moment der Übergabe, ehe ihnen anschließend eine vergoldete Nachbildung bleibt.

Auch bei den Maskottchen spiegelt sich die geteilte Ausrichtung des Turniers wider. Für die Vereinigten Staaten steht der Weißkopfseeadler Clutch, für Kanada der Elch Maple und für Mexiko der Jaguar Zayu. Alle drei Figuren treten gemeinsam als Symbol der Weltmeisterschaft auf und sollen die kulturelle Vielfalt der drei Gastgebernationen verkörpern.

Drei Eröffnungsfeiern statt einer

Der Zuschnitt des Turniers auf einen ganzen Kontinent hat FIFA zudem zu einer organisatorischen Neuerung veranlasst. Statt einer einzigen Eröffnungsfeier gibt es erstmals drei, jeweils eine in jedem Gastgeberland. Den Auftakt macht Mexiko-Stadt am 11. Juni. Am 12. Juni folgen Toronto und Los Angeles mit eigenen Zeremonien vor den jeweiligen Eröffnungsspielen der beiden anderen Gastgeber.

Verantwortlich für die künstlerische Gestaltung aller drei Shows ist das italienische Studio Balich Wonder Studio, das zuvor bereits Eröffnungsfeiern Olympischer Spiele und Weltausstellungen produziert hat. In Mexiko-Stadt steht das traditionelle Papierschnittwerk Papel Picado im Zentrum der Inszenierung, ein Symbol für Gemeinschaft und Feierlichkeit in der mexikanischen Kultur. Für die musikalische Umrahmung sorgen unter anderem Maná, J Balvin und Shakira, die gemeinsam mit dem nigerianischen Musiker Burna Boy den offiziellen WM Song “Dai Dai” erstmals live vorträgt.

Das Estadio Azteca dient im normalen Spielbetrieb den Vereinen Club América und Cruz Azul sowie der mexikanischen Nationalmannschaft als Heimstätte. In der Vergangenheit trugen hier auch Klubs wie Pumas UNAM, Atlante und Necaxa ihre Spiele aus. 2011 war das Stadion Schauplatz des Finales der U17 Weltmeisterschaft, damals mit einem Zuschauerrekord von 98943 Besuchern für dieses Format.

Mit der dritten WM Eröffnung unterstreicht das Stadion seinen Status als eines der geschichtsträchtigsten Fußballstadien der Welt. Für Mexiko ist der 11. Juni damit auch eine Rückkehr auf eine Bühne, die das Land bereits zweimal geprägt hat.

Nach dem Auftakt in Mexiko-Stadt folgen die Eröffnungsfeiern in Toronto und Los Angeles. Für die USA sind unter anderem Katy Perry und weitere internationale Künstler angekündigt. Bis zum Finale am 19. Juli bleibt der Fußball damit über beinahe sechs Wochen im Zentrum eines Turniers, das in seiner geografischen, sportlichen und wirtschaftlichen Dimension alle vorherigen Ausgaben übertrifft.

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