S&P 500, Nasdaq und Dow Jones steigen um über 1,75 %, 2,54 % bzw. 1,86 % bei sinkenden Ölpreisen

Die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, in Kürze ein Friedensabkommen zur Beendigung des Krieges mit dem Iran zu unterzeichnen, hat an den New Yorker Börsen zu einem kräftigen Kurssprung der drei großen Aktienindizes geführt. Experten analysierten, dass sich die zuvor gedämpfte Anlegerstimmung schlagartig entlud, als sich die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten, die die Investoren monatelang verunsichert hatten, spürbar legten.
Am 11. (Ortszeit) schloss der Standard & Poor’s 500 Index (S&P 500), der die wichtigsten Standardwerte umfasst, bei 7.394,30 Punkten – ein Plus von 1,75 % im Vergleich zum vorherigen Handelstag. Der technologielastige Nasdaq Composite Index kletterte um 2,54 % auf 25.809,66 Zähler. Der Dow Jones 30 Industrial Average schoss um 929,97 Punkte (1,86 %) nach oben und übersprang mit einem Stand von 50.848,75 Punkten auf einen Schlag die historische Marke von 50.000 Zählern.
Dabei war der Aktienmarkt an diesem Tag extremen Schwankungen unterworfen. Zuvor hatte Präsident Trump über die sozialen Medien noch damit gedroht, Irans wichtigste Ölinfrastruktur auf der Insel Charg – eine strategische Drehscheibe, über die rund 90 % der iranischen Ölexporte laufen – zu beschlagnahmen und zu bombardieren. Nach dieser Erklärung waren die internationalen Ölpreise zunächst steil nach oben geschossen und hatten die Nervosität auf den globalen Energiemärkten massiv verschärft.
Nur wenige Stunden später vollzog Trump jedoch eine radikale Kehrtwende. Er verkündete die überraschende Absage der geplanten Luftangriffe auf den Iran und erklärte stattdessen, dass in Kürze ein Friedensabkommen unterzeichnet werde, das den Iran dauerhaft am Erwerb von Atomwaffen hindern soll. Die Dokumente befänden sich bereits in der finalen Abstimmung, was das unmittelbare Ende des Krieges signalisiere.
Mit dem Nachlassen der Kriegssorgen drehten auch die zuvor stark gestiegenen internationalen Ölpreise sofort ins Minus. Die weltweite Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) fiel um 2,58 % auf 87,71 US-Dollar pro Barrel. Die Sorte Brent schloss mit einem Abschlag von 2,92 % bei 90,38 Dollar. Da die stabilisierten Ölpreise die Kostenbelastung für Unternehmen und Verbraucher senkten, gingen auch die Inflationsängste zurück. Gleichzeitig befeuerten sinkende Renditen bei Staatsanleihen die kraftvolle Erholung am Aktienmarkt.
Marktexperten werteten diese Entwicklung als ein äußerst positives Signal für die Wirtschaft. Ulrike Hoffmann-Burchardi vom Finanzunternehmen UBS erklärte: „Diplomatische Lösungen werden letztendlich die Oberhand behalten“, und fügte hinzu: „Investoren können sich nun wieder auf die soliden wirtschaftlichen Fundamentaldaten und das Gewinnwachstum der Unternehmen konzentrieren.“ Thomas Martin von GlobalT Investment stellte fest: „Die Konflikte im Nahen Osten haben keine signifikanten Auswirkungen mehr auf den Markt.“ Ein Blick auf die Preisindikatoren zeige, dass der Anstieg der Ölpreise nicht auf andere Sektoren übergegriffen habe, was für eine anhaltend starke Wirtschaft spreche. Kyle Roda von Capital.com diagnostizierte: „Präsident Trump hat ein klares Signal gesendet, dass er keine Eskalation will, was die Risikobereitschaft der Anleger neu entfacht hat.“
Die am selben Tag veröffentlichten Konjunkturdaten fielen gemischt aus, konnten den Aufwärtstrend des Marktes jedoch nicht stoppen. Das US-Arbeitsministerium meldete für den Monat Mai einen Anstieg des Erzeugerpreisindexes (PPI) um 1,1 % im Vergleich zum Vormonat, was über den Markterwartungen von 0,7 % lag. Der Erzeugerpreisindex spiegelt die Produktionskosten der Unternehmen wider und gilt als Frühindikator für die künftige Entwicklung der Verbraucherpreise. Die Kernrate des PPI, aus der die volatilen Nahrungsmittel- und Energiepreise herausgerechnet werden, stieg jedoch nur um 0,4 % und blieb damit unter der Prognose von 0,5 %. Clark Belin von Belwether Wealth prognostizierte: „Obwohl alle Inflationsindikatoren Warnsignale blinken lassen, wird dieser rasche Preisaufbau nach dem vollständigen Ende des Iran-Krieges schnell wieder abflauen.“
Angetrieben wurde die allgemeine Marktrallye zudem von einer deutlichen Erholung bei Halbleiteraktien und großen Tech-Werten, die vom anhaltenden KI-Boom profitieren. Der iShares Semiconductor ETF, der die größten US-Halbleiterunternehmen abbildet, legte um über 8 % zu. Die Aktie von Intel stieg um 9 %, nachdem die Bank of America das Papier unter Verweis auf das enorme Potenzial des Unternehmens im KI-Zeitalter auf „Kaufen“ hochgestuft hatte. Auch die Aktien anderer führender Halbleiterhersteller wie Micron und AMD verzeichneten kollektive Kursgewinne.
Zusätzliche Dynamik brachte die Vorfreude auf den für den Folgetag geplanten Börsengang des Raumfahrtunternehmens SpaceX. SpaceX sammelte bei einem Ausgabepreis von 135 Dollar pro Aktie rund 75 Milliarden Dollar ein, was den größten Börsengang (IPO) der Geschichte markiert. Mit einer damit einhergehenden Gesamtbewertung von 1,8 Billionen Dollar gilt das Ereignis als historischer Meilenstein. Der erfahrene Börsenstratege Luis Navellier betonte, dass ein derart massiver Börsengang das Vertrauen der Anleger erheblich stärken und dem gesamten Aktienmarkt nachhaltigen Auftrieb verleihen dürfte.
Einen herben Rückschlag musste hingegen das Software-Schwergewicht Oracle hinnehmen. Die Aktie brach um 11 % ein, nachdem das Unternehmen Pläne bekannt gegeben hatte, weitere 20 Milliarden Dollar für den Aufbau von KI-Infrastruktur aufzunehmen. Bei den Anlegern wuchsen rasch die Sorgen, dass die massiven Investitionskosten die künftige Rentabilität des Konzerns erheblich belasten könnten.