Das Pentagon plant möglicherweise, 1,85 Milliarden Dollar für den Bau von Schiffsteilen in Südkorea und Japan bereitzustellen

Im Pentagon zeichnet sich eine radikale Kehrtwende in der Rüstungspolitik ab. Wie das Fachmedium Breaking Defense unter Berufung auf Regierungskreise meldet, plant Washington die Auslagerung von Teilen des Kriegsschiffbaus nach Südkorea und Japan. Finanziert werden soll das Vorhaben über ein gigantisches Budget für maritime Forschung und Entwicklung in Höhe von 1,85 Milliarden US-Dollar, das im Haushaltsentwurf für das Fiskaljahr 2027 verankert ist.
Während Branchenkenner anfangs davon ausgingen, dass diese Summe lediglich in eine Machbarkeitsstudie zur Auslandsfertigung fließen würde, herrscht im zuständigen White House Office of Management and Budget (OMB) offenbar eine andere Sichtweise. Niemand investiere fast zwei Milliarden Dollar rein in die Forschung, zitiert das Medium einen namentlich nicht genannten Regierungsvertreter. Der Betrag reiche je nach Werft für den direkten Kauf einer kompletten Fregatte.
Konkret favorisiert die Biden-Administration wohl ein Hybrid-Modell: Rumpf, Maschinenräume und die gesamte Elektrik von bis zu zwei Schiffen sollen auf asiatischen Werften entstehen, während ein US-Rüstungskonzern im Anschluss die hochsensiblen Kampfsysteme integriert. Sondierungsgespräche mit Branchenriesen wie Hanwha Ocean, HD Hyundai und Samsung Heavy Industries aus Südkorea sowie den japanischen Konzernen Mitsubishi Heavy Industries, Kawasaki Heavy Industries und Japan Marine United laufen demnach bereits.
Ein solcher Schritt im Ausland gilt innerhalb der US-Strategie jedoch als reine Brückenlösung. Das langfristige Kalkül des Weißen Hauses zielt vielmehr darauf ab, asiatische Schiffsbauer zu direkten Investitionen auf amerikanischem Boden zu bewegen – sei es durch den Neubau eigener Produktionsstätten oder die Modernisierung bestehender US-Werften. Rechtlich steht dem Vorhaben allerdings noch das sogenannte Burns-Tollefson-Amendment im Weg, das den Bau von Rümpfen und Hauptkomponenten für die US-Marine im Ausland ohne eine explizite Ausnahmegenehmigung des Präsidenten strikt untersagt.
Dass Washington diese Option dennoch ernsthaft prüft, liegt am massiven Kapazitätsengpass der heimischen Werftindustrie. In Südkorea und Japan laufen hochmoderne Überwasserkampfschiffe zu einem Bruchteil der amerikanischen Produktionskosten vom Stapel. Die US-Regierung erhofft sich von dem Übergangsmodell nicht nur eine rasche Entlastung der eigenen Flotte, sondern auch eine Belebung des Wettbewerbs, die letztlich der maroden US-Schiffsbaubasis durch ausländische Kapitalspritzen zugutekommen soll.
Der innenpolitische Gegenwind im Kongress ist der Administration unterdessen gewiss. Teile der US-Schiffsbauindustrie und namhafte Gesetzgeber laufen bereits Sturm gegen die Pläne. Wie tief die Gräben besonmders im Senat sind, zeigte eine Anhörung mit hochrangigen Marinevertretern: Der parteilose Senator Angus King aus dem Bundesstaat Maine fand dort deutliche Worte und bezeichnete die Idee, Zerstörer in Japan oder Südkorea fertigen zu lassen, schlichtweg als den „schlechtesten Einfall überhaupt“.